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Mittwoch 9. September 2009

BEERFELTZ bilanziert Online-Spenden

 

Berlin. FDP-Bundesgeschäftsführer HANS-JÜRGEN BEERFELTZ hat heute in einer Zwischenbilanz zu den über Internet und SMS eingeworbenen Wahlkampfspenden für die FDP ein bisheriges Ergebnis von 233 Spenden mit einem Gesamtergebnis von 42.163 Euro konstatiert.

BEERFELTZ resümierte: Seit einer Woche hat der FDP-Bürgerfonds mit

www.jeder-pixel-zaehlt.de verschiedene neue Methoden des Wahlkampfs vernetzt. In dieser Startphase wurden 155 Pixel gekauft, davon 64 über SMS und 91 übers Internet direkt. Unter www.jeder-pixel-zeahlt.de findet jeder Interessent in der Rubrik ,Bereits gestaltete Pixel’ immer die aktuellen Zahlen.”

 

www.jeder-pixel-zaehlt.de können Bürgerinnen und Bürger den Wahlkampf der FDP mit 3 Euro pro Pixel unterstützen und ein Schreckensbild des grauen Staatssozialismus mit Hammer und Sichel und Lafontaine Pixel für Pixel in blau-gelbe Freiheit verwandeln”, erklärte BEERFELTZ. Alle Unterstützer können im Spendenparlament entscheiden, wofür die auf www.jeder-pixel-zaehlt.de gesammelten Kleinspenden in der Kampagnen-Endphase verwendet werden. Bei den zentralen FDP-Kundgebungen zur Bundestagswahl, auf Großflächenplakaten sowie auf liberalen Internetpräsenzen wird auf www.jeder-pixel-zaehlt.de hingewiesen.

Die Testimonials im Internet und das Abstimmen über die Verwendung der gewonnen Mittel folgen unserer liberalen Grundausrichtung des Wahlkampfes. Die FDP setzt auf den Wahlkampf von unten und den direkten Dialog mit dem Bürger.” Mit freundlichen Grüßen Ulla Faets FDP-Bundesgeschäftsstelle Pressestelle

 

von Hans-Jürgen Beerfeltz 13:09 Kommentare (0) Trackback

Montag 7. September 2009

Noch 23 Tage bis zur Wahl

bis zur Wahl sind es noch 23 Tage. Anbei finden Sie die nächsten 7 kleineren Wahlkampfideen für die kommende Woche:

1. Verschicken Sie unseren Wahlwerbespot aus unserem neuen YouTube-Channel.
2. Schicken Sie eine SMS mit dem Text: FDP an die 81190 und spenden Sie damit 3 Euro. Mit jeder 3 Euro-Spenden-SMS wandelt sich 1 Pixel des Bildes der Seite www.jeder-pixel-zaehlt.de vom sozialistischen Schreckensszenarium in ein liberales Deutschland um.
3. Wünschen Sie sich ein Freiheitslied im Radio. Anregungen für Lieder finden Sie in unserer neugestalteten mit mach arena.
4. Schicken Sie uns Ihr schönstes Foto von der Guido Westerwelle Tour an Thomas Diener, damit wir die neue Tourseite www.westerwelle-tour.de mit Ihrer Hilfe noch besser gestalten können.
5. Verteilen Sie die Flugblätter zum Gipfel der Verschwendung.
6. Gehen Sie 2 Stunden vor einer Trucktour-Veranstaltung zum Aufbau und fragen Sie, ob Sie mithelfen können!
7. Twittern Sie etwas zum Thema FDP.

Zeitgleich zum Wahlkampfauftakt der FDP in Düsseldorf haben wir eine neue Phase unserer Internet-Offensive gestartet.

von Hans-Jürgen Beerfeltz 08:09 Kommentare (0) Trackback

Donnerstag 27. August 2009

FDP stellt Agentur-Pool vor

 

Die Strategierunde der FDP (v. l.): Renatus, Heuser, Beerfeltz, Hartwig, von Mannstein Die Strategierunde der FDP (v. l.): Renatus, Heuser, Beerfeltz, Hartwig, von Mannstein

Die FDP hat als letzte Bundestagspartei ihre Agenturpartner für den anstehenden Bundestagswahlkampf ausgewählt. Die Liberalen entschieden sich für einen Pool aus zehn Agenturen, der von Helmut Andreas Hartwig koordiniert wird. Der ehemalige BBDO-Chairman wird eine so genannte Strategierunde leiten, der unter anderem Egbert Deekeling, Martin Hubert, Jürgen Knauss und Willi Schalk angehören.
 
Deekeling war fünf Jahre Geschäftsführer von ABC Eurocom, bevor er 1995 die PR-Agentur Deekeling & Fiebig mitgründete, die heute unter Deekeling Arndt Advisors firmiert. Hubert war lange Zeit CEO der Online-Agentur BBDO Interone. Seit 2009 führt er die Geschäfte der Suchmaschinen-Marketing-Agentur Eprofessional. Knauss stand mehr als 40 Jahre an der Spitze von Heye. Er baute die Werbeagentur Heye & Partner zu einer Kommunikationsgruppe mit mehreren Disziplinen aus. Seit 2008 ist er Chairman des Münchner Unternehmens. Willi Schalk war in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Chairman und COO von BBDO Worldwide. Er war der erste Deutsche, der einen Chefsessel in einem amerikanischen Agenturkonzern ergatterte. 
 

Die Kampagnenmacher im Überblick (Zum Vergrößern klicken) Die Kampagnenmacher im Überblick (Zum Vergrößern klicken)

Das prominent besetzte Gremium wird die Gesamtkonzeption zusammen mit der Agentur Von Mannstein entwickeln, die auch für die Umsetzung zuständig ist. Für die PR ist Burson- Marsteller unter der Leitung von CEO Karl-Heinz Heuser verantwortlich. Die Hamburger Agentur Reins Classen kümmert sich um den Bereich “Großstadtoffensive”. Avantgarde in München betreut die Zielgruppen-PR und -Events sowie die Jung- und Erstwähleransprache. Der Zielgruppe “Neue Alte” wird sich Agen, ebenfalls Hamburg, annehmen. Alexander Mackat (Fritzsch & Mackat) unterstützt die Bereiche Mobilisierung und Mitmachaktivitäten.
 
Die aktuellen Kampagnen der FDP sowie eine laufende Beratung erfolgt weiterhin durch Weigert Pirouz Wolf in Hamburg. Das Thema Spots/Taktische Kommunikation übernimmt die Düsseldorfer Agentur Euro RSCG. Das Search Advertising übernimmt Eprofessional-Chef Martin Hubert. Er wird dabei von der Agentur We Do unterstützt, die sich auch um die Social Media kümmert. Für die organisatorische Umsetzung aller Werbe- und PR-Maßnahmen ist der Liberal Verlag unter der Leitung von Christian Renatus zuständig.
 
Auf die Wahl einer Lead-Agentur hat die FDP bewusst verzichtet. Bundesgeschäftsführer Hans-Jürgen Beerfeltz setzt stattdessen auf die Idee von “Wisdom of the Crowds”. Der Wahlkampf soll “von unten” kommen und dabei ein ”Consumer Generated Campaigning” anwenden. brö

von Hans-Jürgen Beerfeltz 16:08 Kommentar (1) Trackback

Mittwoch 26. August 2009

Zukunft der Mitgliederpartei

Uwe/Niedermayer, Oskar/Wiesendahl, Elmar (Hrsg.): Zukunft der Mitglieder-partei, 2009, Opladen & Farmington Hills. ? speziell Maßnahmen der Mitgliedergewin-nung, -bindung und -betreuung der Parteien CDU, SPD, Linke, Grüne und CSU

1. Niebuhr, Frank: Mitgliederwerbung als Herausforderung und Chance erfolgreiche Maß-nahme der CDU

- Mitgliederwerbung über Initiativen und themengebundene Aktivitäten bei denen die Parteimitgliedschaft zunächst keine Rolle spielt
- Frage nach Beitritt wurde erst am Ende des Projektes gestellt
- Kern der Mitgliederwerbung nach Ansicht der CDU: persönliche Ansprache vor Ort
- damit besondere Bedeutung der Verbände vor Ort
- Bundesgeschäftsstelle bildet Rahmen mit Serviceangeboten (Schulungen, Prämierun-gen)
- Ausbau der Mitbestimmungsrechte von Parteimitgliedern ? „Mitgliederprinzip“
- Motivation der jungen Zielgruppe durch virtuelle Arbeitskreise
- Ziel, dass jedes Mitglied besonders durch Argumentation im Umfeld für CDU wirbt, daher gezielte Information und Präsentation von Sachfragen, Stärkung der Identifika-tion mit Werten um Verantwortung für Parteiarbeit und „Flagge zeigen“ zu stärken
- Sieht CDU auf richtigem Weg
2. Gorholt, Martin: Die SPD als Mitgliederpartei

- Maßnahmen zur Veränderung der Mitgliederentwicklung aus zwei grundsätzlichen Feststellungen heraus: Erhaltung der SPD als Mitgliederpartei vs. SPD hat als Mit-gliederpartei hat keine Zukunft
- Maßnahmen um Mitgliederschwund zu begegnen „Nah bei den Menschen“, „Deutsch-land Dialog“ und „Voter Relationship Management“(Netzwerkbildung ähnlich US-Wahlkampf) ? Vision von Netzwerkpartei
- Unterschiedlicher Erfolg der Werbung in Ortsvereinen, daher Unterstützung der Orts-vereine bei Mitgliederwerbung durch Zentrale ? Schaffung von Kriterien einer „gu-ten Ortsvereinsarbeit“, Schulung von Beratern
- Forderung nach Schaffung von Zuständigkeiten für Mitgliederentwicklung in allen Bereichen inklusive regelmäßigen Berichten
- Zentrales Credo: Maßnahmen zur Mitgliedergewinnung und Vorbereitung auf SPD als Mitgliederpartei mit kleineren Mitgliederzahlen
- Sieht Betriebsräte, junge Frauen, Migranten/-innen in großem Forennetzwerk für be-deutend  
3. Kahrs, Horst: Die LINKE geht nur als Mitgliederpartei

- Gezielte Ost-West-Partnerschaften auf der Ebene von Orts- und Kreisverbänden ? „produktives Zusammenkommen“ von wachsenden und schrumpfende Verbänden
- Tendenzen zur Entwertung der Mitgliedschaft durch Probemitgliedschaften und Nicht-parteimitgliedern auf Kandidatenlisten ? Schaffung von Privilegien/anderer Kommu-nikation der Parteimitglieder ggü. Sympathisanten 
- Sieht in Kommunikation über das Internet nur Unterstützung der örtlich präsenten Par-teistruktur (negative Erfahrungen mit „17. Landesverband“) ? „Partei ist kein Chatroom“
- Sieht Herausforderung für Mitgliederpartei in Zusammenkünften außerhalb von Par-teigrenzen
- Neumitgliederseminare und Fortbildungen für Multiplikatoren zur Verknüpfung neuer und bestehender Mitglieder
- Hauptmaßnahmen zur Mitgliedergewinnung: Wahlerfolge und nachhaltige Arbeit vor Ort
4. Lemke, Steffi: Warum die GRÜNEN Mitglieder brauchen

- Mitgliederwerbung als Querschnittsaufgabe aller Mandat- und Funktionsträger
- Hauptaugenmerk auf Kreisverbänden, da sie erste Anlaufstelle für potenzielle Neu-mitglieder sind
- Kampagne „Partei ergreifen“ um persönlichen Kontakt vor Ort und Gesamtbild der Partei als Eintrittsgrund zu festigen und gleichzeitig Präsentation grüner Themen um Sympathisanten, nicht zwingen Mitglieder zu gewinnen
- Problem des Desinteresses insbesondere junger Menschen an herkömmlicher Parteiar-beit durch zeitlich/thematisch begrenztes Engagement und Beteiligungsmöglichkeiten im Internet
- Forderung nach Anpassung des Parteiengesetzes an moderne auch technische Um-stände, um virtuellen Landesverband und direkte Bundesmitgliedschaft ermöglichen zu können (?)
5. Zorzi, Markus: CSU – Erfolgreiche Volkspartei in Europa

- Anpassung an veränderte, schwierige Gegebenheiten der Mitgliederpartei durch drei Maßnahmen:
1. Netzwerkerweiterung durch Quereinsteiger, zeitlich begrenzte Mitarbeit von Nicht-mitgliedern, spontane Initiativen auf lokaler Ebene, Ausbau der Information über das Internet
2. Ausbau der direkten Mitwirkungsmöglichkeiten der Mitglieder
3. klare inhaltliche Abgrenzung von anderen Parteien
- Misst der Schärfung der eigenen Linie mit klar zuordenbaren Werten größte Bedeu-tung zu
- CSU setzt sich zur Aufgabe noch volksnäher zu sein und weiterhin ihre Besonderhei-ten erfolgreich als Einzigartigkeit herauszustellen

von Hans-Jürgen Beerfeltz 07:08 Kommentare (0) Trackback

Dienstag 25. August 2009

Wahlkampf von unten

Hans-Jürgen Beerfeltz

Bundesgeschäftsführer der FDP

Vizepräsident a. D. Bundeszentrale für politische Bildung

 

 

Artikel für die Zeitschrift „liberal“

 

Wahlkampf von unten

 

Die Individualisierung der Kommunikation als

FDP-Wettbewerbsvorteil

 

 

Scheinbar unaufhaltsam wächst die Bedeutung neuer Medien weiter und verändert die kommunikativen Grundlagen unserer Gesellschaft. Mit dem Web 2.0 wird das Internet von einer Informations- zu einer Dialogplattform. Meinungsbildung wird immer unabhängiger von der Deutungshoheit der Massenmedien. Neuer „sozialer Reichtum“ entsteht aus den ungehobenen Ressourcen menschlicher Beziehungen (zentrales Thema des Trendtags 2009 in Hamburg). Der Wunsch nach Partizipation wächst mit den technischen Möglichkeiten, die „Wisdom of the Crowds“ kann Entscheidungen auch in der Politik verbessern (Bertelsmann-Studie zu politischer Führung und Partizipation, Gütersloh  März 2009). „Consumer Generated Campaigning“ oder „-content“ beteiligt die Kunden in der Wirtschaft an der Entwicklung der Produkte oder lässt sie z. B. als Wähler selbst den Wahlkampf machen, wie es etwa bei der Obama-Kampagne der Fall war (www.spiegel-online.de, 19.11.2008)

 

Gerade die FDP als Partei für die Freiheit des Einzelnen hat dadurch großartige zusätzliche Chancen im Wahljahr 2009. Viele Elemente der oben beschriebenen Entwicklungen können zu einem wichtigen zusätzlichen Bündnis-Partner für eine FDP werden, der es auch weltanschaulich am nächsten kommt und am besten ansteht, auf Wahlkampf von unten zu setzen statt auf Wahlpropaganda von oben.

 

In diesen Entwicklungen liegt auch ein zentraler Grund für das sichtbar große Wachstum der FDP in den letzten Jahren: Die FDP wird größer, weil sie den Einzelnen in Deutschland größer macht. Alle anderen politischen Kräfte in Deutschland machen den Einzelnen kleiner, sie „entlasten“ ihn scheinbar von Verantwortung, sie „schützen“ ihn (notfalls auch vor sich selbst) und sehen ihn als Objekt ihrer Fürsorge-Anstrengungen. In einer Zeit sowieso gefühlter Bedeutungslosigkeit wird dem Einzelnen weitgehende Nutzlosigkeit eigenen Handelns suggeriert. Aber gerade jetzt wird seine Leistung und seine Verantwortung besonders gebraucht.

 

Mehr Freiheit und mehr Verantwortung für den einzelnen Bürger stehen aber in Deutschland nur noch bei der FDP im weltanschaulichen Mittelpunkt. Alle anderen Parteien sehen den Staat als wichtigsten Schlüssel für die Lösung von Problemen und machen die Gesellschaft damit partiell zur Erziehungsanstalt. Alle anderen Parteien verstaatlichen Verantwortung und individuelle Gestaltungskraft der Menschen und machen den Einzelnen damit unendlich klein, unwichtig und winzig. Die FDP ist die einzige politische Kraft, die den Einzelnen wieder größer macht: Gegen den schleichenden Sozialismus, gegen das Gefühl der Ohnmacht in der Krise und gegen die staatliche Bevormundung.

 

Die tieferen gesellschaftlichen Entwicklungen deuten darauf hin, dass das „sozialdemokratische Jahrhundert“ (Ralf Dahrendorf: Die Chancen der Krise. Über die Zukunft des Liberalismus. Stuttgart 1983, S. 16) in Deutschland zu Ende geht. Nach der langen Zeit der großen Bedeutung von Massenorganisation, von Zentralisierung, von Hierarchie, Bürokratie und Massenmedien kommt jetzt immer stärker die Zeit für Dezentralisierung, für kleine Einheiten, für Selbstständigkeit, Eigeninitiative, Leistung, kurzum für mehr Individualität – trotz oder auch gerade wegen der Phänomene neuer Staatsgläubigkeit angesichts der Symptome der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise.

 

Gerade in diesem Zusammenhang zeigt eine Allensbach-Studie (FAZ, 25.03.2009) Stetigkeit und Nachhaltigkeit des Wachstums der FDP. Sie belegt, warum gerade der klare Kurs der FDP zum heutigen Erfolg führt: als Partei für soziale Marktwirtschaft, für ein gerechteres Steuer- und Sozialsystem, für eine neue Glaubwürdigkeit durch Ehrlichkeit in der Politik, für die Anerkennung persönlicher Leistung und Verantwortung und für ein ebenso geschlossenes wie geschlossen vertretenes freiheitliches Politikkonzept. Das alles hat ganz kontinuierlich die FDP-Zuwächse bewirkt.

 

Auch in der Wahlkampagne wird es entscheidend darauf ankommen, dass sich die FDP mit diesem Kurs weiter sehr klar konturiert und positioniert – und nicht angesichts ja durchaus schwindelerregender Umfragewerte der Versuchung erliegt, sich nun möglichst unauffällig zu verhalten und in die Furche geduckt Richtung Bundesregierung zu zittern.

 

Die FDP hat durch Klarheit gewonnen und wird genau dadurch weiter gewinnen. Die FDP hat Kompetenz durch Substanz aufgebaut, mit harter inhaltlicher Arbeit programmatisches Ansehen gewonnen und wird genau dadurch weiteres Zutrauen in Ihre Regierungsfähigkeit gewinnen.

 

Mit Klarheit, Geschlossenheit, programmatischer Substanz, wirtschaftspolitischer Kompetenz, mit Glaubwürdigkeit und mit einem guten Personalangebot und Spitzenkandidaten hat die FDP großartige Chancen für großartige Wahlerfolge 2009. Wohl noch nie hatte die FDP soviel Alleinstellung bei den für die Menschen zur Zeit wichtigsten Themen in den Bereichen Wirtschafts- und Sozialpolitik, Steuerpolitik, Haushaltspolitik und teilweise eben auch bei den Themen der Bildung und der Bürgerrechte.

 

Aber die schönste Botschaft nützt bekanntlich gar nichts, wenn sie niemand hört. Deshalb bleibt es für die Architektur einer Wahlkampagne entscheidend, dass Ziele und Botschaften der FDP auch die potenziellen Wähler erreichen. In einer Zeit, in der massenmedialer Politikvermittlung sowieso immer weniger vertraut wird, und für eine Partei, die sich teure Wahlschlachten z. B. mit Zeitungsanzeigen sowieso nicht leisten kann, setzt die Kampagne’09 der FDP auf direkten Dialog. Noch stärker als bisher schon wird Dialogmarketing auch wahlwerblich zum wichtigsten und zugleich eigenständigen Herzstück der Kampagne, und das gilt auch für die Aufteilung der Budgets: Erstmals geben wir bei den Wahlen mehr Geld für Dialogmaßnahmen aus als für Plakate.

 

Denn die Nähe zu den Menschen kann 2009 zu einem großen zusätzlichen Wettbewerbsvorteil für die FDP werden. Keine Partei kann „Dialog“ besser als unsere FDP. Wir stehen inhaltlich für mehr Freiheit des Einzelnen und müssen uns allein schon deshalb auch mehr als andere um den Einzelnen kümmern. Uns fällt es prinzipiell leichter, den direkten, den dezentralen und den selbstständigen Wahlkampf zu machen. Das kann für die FDP größtmögliche Übereinstimmung von Form und Inhalt bringen, denn eine Philosophie wird zum Instrument und ein Instrument zugleich zur Philosophie.

 

„Wahlkampf von unten“ heißt, Steuerungs- und Kontrollverluste in der Kampagne ganz bewusst hinzunehmen. Die anderen Parteien haben Angst davor. Für eine freiheitliche FDP ist das dem gegenüber geradezu ein Markenzeichen.

 

Im „Wahlkampf von unten“ nutzen wir offensiv die großen sozialen Netzwerke im Web 2.0. Für uns ist das Internet kein Schaukasten mehr, wo sozusagen in Zweitverwertung bereits woanders erhältliche Informationen zusätzlich ausgestellt werden. Für uns ist das Web 2.0 eine große Dialog-Chance, ’rauszugehen aus den Mauern der Parteizentrale und ’raufzugehen auf die virtuellen Marktplätze. Unsere Zugriffszahlen im Internet, die registrierten Profile in der Kommunikationsplattform „my.FDP“ und die registrierten Teilnehmer in der neuen „MitMachArena“ sind die höchsten Werte aller Parteien. Das zeigt sehr klar, dass eine liberale Partei hier ein großartiges zusätzliches Motivierungs- und Mobilisierungsinstrument erhalten hat. Hinzu kommt: Bei uns gibt es keine Zensur im Internet. Wir lassen auch heftige Formen der Kritik zu, bei uns kann vom Programm bis hin zu den Kampagnen über Vieles mit geredet und mit entschieden werden. Und das Internet-Publikum merkt sehr schnell, dass man bei uns aktiv etwas bewirken kann, während man bei den anderen Parteien nur in der Sandkiste spielen darf.

 

Im „Wahlkampf von unten“ bieten wir unseren Communities exklusive Informationen, z. B. über den kostenlos abonnierbaren SMS-Info-Dienst. „Be the first to know“ war ein entscheidendes partizipatives Element der Obama-Kampagne. Keine Partei in Deutschland kann das offener und bürgernäher machen als die FDP. Bei uns soll man bewusst mit entscheiden können über Slogans, Kampagnenmotive, Zielgruppen-Themen. Das bedeutet nicht nur mehr Demokratie in der Kampagne, es schafft auch zusätzliche Identität und führt zur Weitergabe von Informationen mit größerer Begeisterung. Nach wie vor gilt im Marketing die persönliche Empfehlung als am wirkungsvollsten. Wir schaffen „embedded tester“, die Werbung mit unserer Werbung machen, was die Amerikaner „word of mouth-marketing“ nennen.

 

Im „Wahlkampf von unten“ wird Dialog-Marketing in allen seinen Formen, auch mit dem klassischen Brief im Sinn eines „Identitäts-Managements“ eine zentrale Rolle spielen. Gerade bei solchen response-orientierten Werbeformen im Dialog mit Stilgruppen statt Zielgruppen entstehen neue Brücken zwischen Individualität und Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft. Werbung geht vom Ich zum Wir, sie fragt nicht, sie macht stattdessen klare Aussagen, sie setzt auf Marke statt Anonymität, sie setzt auf Service und vermittelt ein positives Grundgefühl. Dabei kommt uns mehr als allen anderen Parteien entgegen, dass in diesem Jahr in Deutschland nicht nur Programm und Personen gewählt werden sondern auch ein bestimmter politischer „Stil“.

 

Und im „Wahlkampf von unten“ wird selbst das Plakat bei der FDP vom klassischsten Propaganda-Instrument zur Dialog-Chance. Wer das Plakat unserer Europa-Spitzenkandidatin Silvana Koch-Mehrin mit dem Handy fotografiert und dieses Foto an die 4242 schickt, der bekommt einen Film auf sein Handy und danach einen Link zur „MitMachArena“, die das Herzstück unserer Wahlkampfkommunikation im Internet sein wird. Alle Medien werden also durch die Individualisierung der Kommunikation mehr und mehr miteinander vernetzt.

 

Auch der „Wahlkampf von unten“ braucht einen Spin. Vor dem Hintergrund der Kommunal- und Europawahlen am 7. Juni 2009, und den drei Landtagswahlen am 30. August 2009 wird sich die Stimmung und auch die gefühlte Ausgangslage für die Chancen bei den Bundestagswahlen am 27. September 2009 noch mehrfach verändern. Eines ist dabei sicher: Noch nie hatte unsere FDP soviel messbares Profil wie heute. Die Kampagne’09 muss also nicht an einer noch stärkeren Profil-Zuspitzung arbeiten. Aber wenn es letztlich darum geht, nicht die Themen für die Kommunikation sondern das entscheidende Kommunikationsthema zu finden, dann muss heute bewusst noch Vieles offen bleiben. Womit werden wir letztlich massiv werben? Wir haben mehrere Möglichkeiten von der Kompetenz der FDP in wichtigsten Politikfeldern bis hin zur gewachsenen Glaubwürdigkeit. Mit welchen Image-Faktoren wir die Menschen in den immer wichtiger werdenden letzten Tagen vor der Bundestagswahl erreichen, das werden wir erst direkt vor den Wahlen beantworten. Immer stärker gilt: Organisatorisch ist alles so früh wie möglich vorzubereiten, die Großflächen-Plakatierung beispielsweise ist seit Monaten bestellt, aber was auf den Plakaten steht, wird so spät wie möglich entschieden.

 

Heute ist feststellbar, dass es in diesem Wahlkampf viele Elemente gibt, die das weitere Größerwerden der FDP möglich machen und uns vielleicht endgültig aus der teilweisen Nischen-Existenz einer Funktionspartei befreien können. Gerade deshalb wird es für die gesamte Partei auch sehr wichtig sein, vor allem über Themen und Konzepte zu reden und nicht über Koalitionsfragen. Jede selbst erzeugte Unsicherheit in der Koalitionsdebatte könnte uns schnell wieder zur alten FDP machen, die oft nur gewählt wurde, weil man uns für bestimmte politische Konstellationen brauchte oder auch nicht.

 

Offen bleibt jetzt auch noch, wie wir unsere Freiheits-Botschaft emotional positiver und sympathischer „aufladen“ können. Noch immer gilt, dass wir nicht ausreichend an das limbische System der Menschen herankommen und auf der Basis der Maslow’schen Bedürfnispyramide nur wenig stattfinden (die wird „politisch“ nach wie vor weitgehend von den Sozialisten mit sozialer Sicherheit und den Konservativen mit innerer Sicherheit besetzt).

 

Mit „Wahlkampf von unten“ erbringen wir übrigens für die deutsche Demokratie noch eine ganz andere, übergeordnete Leistung. Wenn der Wahlkampf 2009 stärker denn je auch zu einem Wettbewerb um die Nähe zu den Menschen wird, dann kann das insgesamt zu einem positiven Beitrag für die Revitalisierung des politischen Systems in Deutschland werden. Denn das deutsche Parteiensystem ist eindeutig auf dem Weg in eine Legitimationskrise.

 

Die deutsche Gesellschaft wird nie wieder parteinäher werden. Das bedeutet, dass die Parteien gesellschaftsnäher werden müssen, denn sonst werden sie irgendwann nicht mehr gesellschaftsfähig sein. Auch dafür bietet „Wahlkampf von unten“ eine große zusätzliche Chance. Mit der Bereitschaft zur weiteren Parteireform und mit der neuen Authentizität – auch und gerade durch die neuen Medien – können wir die Demokratie wieder von Institutionen zu einer Sache der Menschen machen.

von Hans-Jürgen Beerfeltz 16:08 Kommentare (3) Trackback

Montag 24. August 2009

Stand der Gesundheitskampagne

Bezug nehmend auf die Diskussion am Rande der Präsidiumssitzung am 17. August möchte ich Sie kurz über den aktuellen Stand der Gesundheitskampagne informieren:

 

In Abstimmung mit Daniel Bahr hat die Bundesgeschäftsstelle das Faltblatt zur Gesundheitspolitik aktualisiert. Es kann ab sofort beim liberal Verlag bestellt werden. Zusätzlich stehen dort auch Plakate und Postkarten zum Thema zur Verfügung.

 

Auf der Kampagnenseite www.gesundheit.fdp.de verweisen wir auf die Bestellmöglichkeiten beim liberal Verlag, informieren über aktuelle Fragen zur Gesundheitspolitik und bieten zusätzlich Flugblätter, Musterpressemitteilungen und Zielgruppenbriefe zum Download an. Wir haben im frei-brief der Kalenderwoche 34 für Wahlkampfaktionen zur Gesundheitspolitik geworben.

 

Für weitere Fragen oder Anregungen stehe ich Ihnen wie immer gerne zur Verfügung.

 

von Hans-Jürgen Beerfeltz 10:08 Kommentare (0) Trackback

Freitag 21. August 2009

66 Forderungen im Arbeitspapier der AG Parteireform

Die AG Parteireform hat in ihrem Papier 66 Forderungen zur Modernisierung der Parteiarbeit zusammengetragen. Diese werden in den nächsten Tagen zunächst auf 25 reduziert und dann auf 10 wesentliche Diskussionspunkte:

Willkommen Bürgergesellschaft
Konzept zur Reform der Parteiarbeit in Deutschland
(Stand: 17. August 2009)

1. Die FDP macht die Türen auf. Sie will eine breite Öffnung ihrer Parteiarbeit, um einer größtmöglichen Zahl von Menschen Chancen für eine bessere politische Mitwirkung zu geben.

2. Die Parteiarbeit muss dem veränderten Freizeit- und Medienverhalten der Menschen Rechnung tragen. Die Formen unseres politischen Dialogs, der Ablauf von Veranstaltungen und das Informationsangebot müssen den Bedürfnissen und Wünschen der Menschen, vor allem des liberalen Potenzials in der Gesellschaft, entsprechen.

3. Übereinstimmung von Form und Inhalt gehört zur Glaubwürdigkeit liberaler Politik. Die Ziele der FDP müssen Struktur und Organisationsformen der Arbeit bestimmen – nicht umgekehrt. Die Partei, die den Einzelnen größer machen will in unserem Land, muss dem Einzelnen in der eigenen Parteiarbeit größtmöglichen Stellenwert geben.

4. Politische Arbeit ist Öffentlichkeitsarbeit. Bessere Kampagnenfähigkeit braucht die Investition in die Sichtbarkeit der wichtigsten liberalen Botschaften. Nur durch Konzentration und Schwerpunktsetzung lassen sich die Alleinstellungsmerkmale und die Eigenständigkeit der FDP in der Mediendemokratie transportieren. Und professionelle Service-Angebote müssen besser helfen, die ehrenamtliche Ebene noch freier für politische Arbeit zu machen.

5. Die FDP möchte schon im Prozess der Erarbeitung dieses Konzeptes die Öffentlichkeit und jeden einzelnen Bürger zur Mitarbeit einladen. Unter www.reform.fdp.de hat die FDP einen Weblog eingerichtet, in dem jeder Bürger seine Ideen und Anregungen einstellen kann. Dort kann miteinander über Ideen und Vorschläge diskutiert werden.

6. Jeder Bürger soll ein Gutschein-Heft bekommen, mit dem er Leistungen „seiner Partei“ einfordern kann. Dazu sollten Informationen zu Themen ebenso gehören wir die Verpflichtung der Partei zu einem persönlichen Gespräch auf kommunaler Ebene, das Recht der Teilnahme an bestimmten Veranstaltungen und die Aufnahme in bestimmte Verteiler. Das Gutschein-Heft kann außerdem das Recht auf Geschäftsstellen- und Fraktionsbesuche beinhalten sowie – zum Selbstkostenpreis – auch den Bezug von Premium-Info-Paketen der Bundespartei.

7. Jeder Bürger kann sich bei „seiner Partei“ als Wähler registrieren lassen. Mit dieser Registrierung wird garantiert, dass regelmäßiger Zugang zu allen Mitglieds-Informationen der Partei möglich ist.

8. Die Parteien sollten sich außerdem verpflichten, zunächst bei Kommunalwahlen unter Beteiligung der registrierten Wähler Vorwahlen (Primaries) durchzuführen. Abstimmen könnten alle registrierten Wähler z. B. über die Reihenfolge der Listenplätze. Das Ergebnis muss veröffentlicht werden. Die endgültige Listenaufstellung bleibt den Partei-Gremien vorbehalten.

9. Die FDP will zunächst fünf Kreisverbände einladen, ein solches Vorwahl-System gemeinsam mit der Bundespartei auszuprobieren und die dabei gewonnenen Erfahrungen zu veröffentlichen.

10. Die Parteien verpflichten sich, auf allen Vorstandsebenen jeweils ein Vorstandsmitglied mit „Ombudsmanaufgaben“ zu betrauen. Diese zusätzliche Anlaufstelle steht jedem Bürger zur Verfügung, z. B. um auf kommunaler Ebene Themen für die Behandlung in der Parteiarbeit anzumelden, die dann im Regelfall von den Kreisvorständen als Tagesordnungspunkt behandelt werden sollten. Die Anlaufstelle erfüllt auch die Aufgaben eines „Informations-Managers“ für das interne wie auch externe Informationssystem und kümmert sich insbesondere auch dann, wenn es zu Problemen intern wie extern mit der Parteiarbeit kommt. Das Vorstandsmitglied mit den Ombudsmannaufgaben sollte dem Kreisvorstand auch Bürgersprechstunden oder aktuelle Stunden zu bestimmten Themen jeweils vor den regulären Vorstandssitzungen empfehlen.

11. Jeder Bürger bekommt das Recht auf abgestufte Mitwirkungsmöglichkeiten in den Parteien. Stufe 1 beinhaltet die Informations- und Kontaktrechte aus dem Gutschein-Heft. Darauf aufbauend wird die Möglichkeit geschaffen, nur für eine bestimmte Kampagne „Mitglied“ der Partei zu werden. Darüber hinaus wird eine „Fördermitgliedschaft“ eingeführt, die für das Mitglied (außer einem geringen Beitrag) keine Pflichten beinhaltet. Außerdem wird eine zeitlich befristete Mitgliedschaft z. B. auf 12 Monate eingeführt, die alle Mitgliedsrechte beinhaltet, aber ohne Kündigung zum vorgesehenen Termin automatisch endet.

12. Alle Deutschen erhalten im Vorfeld von Wahlen mit der Versendung von Wahlunterlagen eine „Demokratie-Postkarte“, mit der sie institutionelle Informationen zu Wahlen und Demokratie etc. bei den dafür in Deutschland bestehenden Einrichtungen abrufen können. Zur besseren Grundlageninformation sind auch die Einführung einer „Demokratie-Hotline“ und die Nutzung einer überparteilichen Politik-Plattform wie „POLIXEA“ denkbar. Die FDP will darüber das offene Gespräch mit den anderen Parteien einleiten.

13. Gerade auf der kommunalen Ebene der Parteiarbeit wird es noch wichtiger, den Menschen verstärkt auch alternative Anreize für eine direkte Mitwirkung zu bieten, die ohne formale Hürden zu einer engeren Bindung an die Partei führen.

14.… bewusst auch innerparteilich kontrovers diskutierte Themen aufgreifen und entsprechende Pro- und Contraveranstaltungen durchführen. Sie will ein Forum für konstruktive Diskussionskultur bieten. Die Bundespartei wird in Zusammenarbeit mit den Bundesfachausschüssen und Kommissionen Redner für solche Pro- und Contra-Veranstaltungen anbieten. Das wird zunächst für fünf Kreisverbände als Modell ausgeschrieben, von der Bundespartei begleitet und anschließend dokumentiert.

15.… grundsätzliche thematische Schwerpunkte aufgreifen, sich den Menschen stärker öffnen und in den Medien präsent sein, nach dem Grundsatz: „Tue Gutes, rede mit anderen darüber und mache es auch publik.“ Die Bundespartei wird ein Abfrage-Modul entwickeln, mit dem Kreisverbände ihre eigenen Mitglieder und Interessenten nach gewünschten Themenschwerpunkten abfragen können. Die FDP will damit vom üblichen Kurs der Einbahnstraßen-Information abweichen und mehr Menschen aktiver in den Prozess der politischen Willensbildung einbeziehen. Dazu könnte für die Bundespartei auch gehören, ihre Schwerpunktthemen bei Bundesparteitagen langfristig vorher „auszuschreiben“ und eine breite interne wie externe Diskussion über die Themensetzung zu initiieren.

16.… einen dialogorientierten und zielgruppengerechten Kontakt zu den Menschen pflegen und sie so direkt wie möglich ansprechen. Im gemeinsam von der Bundespartei und den Landesverbänden getragenen Liberalen Partei Service (LiPS) wird dafür zurzeit eine Datenverarbeitungstechnik mit umfassenden CRM-Werkzeugen (aus so genannten „Kundenbindungs-Programmen“) entwickelt.

17.…durch alternative Veranstaltungsformen eine enge Bindung der Mitglieder an die Partei schaffen und über die politische Arbeit hinaus gehende Anreize zur Mitbeteiligung bieten. Dafür wird die Bundespartei das Konzept „Lebendige FDP vor Ort – aktiv und attraktiv“ mit liberalen Frühstücken, Happy Hour, Ladies Lunch, Beachparty, Themen-Spaziergang, … o.ä. fortentwickeln und weiter ausbauen. Dazu gehört auch die Weiterentwicklung des klassischen Info-Stands zum Dialog-Stand. Die Bundespartei wird dafür Vorschläge entwickeln und Modelle gemeinsam mit interessierten Kreisverbänden umsetzen.

18.…die Mitglieder besser in wichtige politische Fragen durch die Möglichkeit der direkten Mitentscheidung einbinden. Dazu können auch Kreisverbände die in der Bundessatzung verankerten Möglichkeiten der Mitgliederbefragung und des Mitgliederentscheids nutzen.

19.… mehr für die Betreuung der Mitglieder tun, vor allem auch für die Betreuung der Neumitglieder. Die bundesweiten Neumitgliedertreffen der Bundespartei am 1. Mai zeigen, wie groß das Bedürfnis nach Kontakt ist. Neumitglieder-Treffen sollte es regelmäßig überall in der FDP geben. Zur Nachwuchs-Förderung ist auch auf das vom FDP-Bundesvorstand am 10. Dezember 2007 verabschiedete „Mentoring-Programm“ hinzuweisen. Zu überlegen ist auch, ob es ein bundesweites „Neumitgliederinfo“ mit vielen Response-Möglichkeiten geben sollte, um gerade in der Anfangsphase einer Mitgliedschaft in der FDP zusätzliche Orientierung geben zu können.

20.… Zufriedenheit testen. Alle Neumitglieder sollen sechs Monate nach ihrer Aufnahme einen Brief der Bundespartei erhalten mit einem Fragebogen zur bisherigen Zufriedenheit mit der Mitgliedschaft. Dabei sichtbar werdende Probleme bespricht die Bundespartei mit den Landes- und Kreisverbänden.

21.… in allen Kreisvorständen einen Verantwortlichen für die interne Parteikommunikation schaffen. Ein „Informations-Schatzmeister“ ist heute genauso wichtig wie der für Finanzen oder wie ein Verantwortlicher für die Pressearbeit. Der „Informationsschatzmeister“ sollte natürlich auch für die Pflege des Internet-Auftrittes zuständig sein.

22.… Dialog machen, statt Propaganda. Die dialogaktivsten Kreisverbände sollen durch die Bundespartei gefördert werden. Sie bekommen z.B. besonderen Berichterstattungsraum in den Parteimedien und können ihre Arbeit bei bundesweiten Veranstaltungen und Parteitagen darstellen. Hier wird die Bundespartei auch weitere Wettbewerbe wie zuletzt bei der bundesweiten Kreisvorsitzendenkonferenz in Erfurt durchführen.

23.… die Aufnahme von Neumitgliedern beschleunigen. Noch immer dauert das Aufnahmeverfahren in vielen Verbänden zu lang. Die Bundespartei wird ihr Konzept des „Premium-Info-Pakets“ weiter ausbauen, um die Wartezeit zwischen Eintrittserklärung und Aufnahme zumindest durch bestmögliche Information zu überbrücken.

24.… Multiplikatoren pflegen. Um unsere Inhalte näher an die Menschen heranzutragen, brauchen wir nicht nur eine gute Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Wir brauchen auch eine ständige Pflege unserer Multiplikatoren. Mit unseren Vorfeldorganisationen, mit der Prominenteninitiative und mit dem Bürgerfonds haben wir hierfür drei hervorragende Instrumente geschaffen, die weiter auszubauen sind und auch regional stärker genutzt werden können. Ebenfalls für die regionale Nutzung zur Pflege von Multiplikatoren bietet sich unsere Kommunikationsplattform „my.FDP“ im Internet an.

25.…lebendiges Netzwerk sein. Gerade in Großstädten ist eine lebendige Parteiarbeit ganz besonders wichtig. Inzwischen liegen die Ergebnisse der Arbeitsgruppe Großstadtoffensive vor, die am 09. November 2007 vom FDP-Bundesvorstand verabschiedet wurden. Zu den wichtigsten weiteren Maßnahmen gehören auch spezielle werbliche Maßnahmen im Bundestagswahlkampf für die Großstadt-Kreisverbände.

26….Politik erlebbar machen. Politik muss mehr zum Erlebnis werden, um in einem breiten Freizeit- und Unterhaltungsangebot attraktiv zu bleiben. Notwendig sind daher Veranstaltungen mit Erlebnisfaktor. Über die Förderung des Theaters im Rahmen eines Kulturfrühstücks oder über Verbraucherschutz beim Ortstermin im Lebensmittelhandwerk zu debattieren, fördert Lebendigkeit und Praxisbezug.

27….Einfluss nehmen. Bürgerbewegungen und direkte Demokratie sind en vogue. Dabei reicht die Bandbreite von der aktiven Beteiligung in einer Initiative vor Ort z.B. zur Begrünung des eigenen Stadtquartiers bis hin zur Eintragung bei Unterschriftenaktionen oder Online-Unterstützerformularen z.B. für angemessene Strompreise. Ob lokale oder globale Belange, die FDP muss den Menschen stets zeigen, dass sie als Partei eine Bürgerbewegung ist, die sich für die Menschen einsetzt.

28….Politik in Bewegung vermitteln. Die FDP muss die Menschen da abholen, wo sie stehen und deshalb mit eigenen Aktionen gezielt auf bestimmte Gruppen zugehen. Gezielte Mailingaktion, um die Menschen aufzufordern, die FDP-Position durch Rücksendung von Postkarten oder durch den Versand von E-Cards über die FDP-Homepage zu unterstützen, kann viel bewirken, um die FDP als Verfechterin der Bürgerinteressen zu verankern. Ein lokales Bündnis in einem Stadtquartier zur Gründung einer Eltern-Initiativ-Kita transportiert bestens die Politik der FDP für eine engagierte Bürgergesellschaft, für frühkindliche Bildung, für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie für die Einbeziehung privater Kindertagesbetreuung. Die alte Weisheit, dass manchmal der Berg zum Propheten kommen muss, gilt auch in der Politik: FDP-Vertreter bei einer Bürgerversammlung, die dort unter Erwähnung der Partei ihre Position vortragen, können oft mehr bewirken als ein Vortrag vor halbleerem Saal bei einer eigenen Veranstaltung.

29….Politische Netzwerke schaffen. Die Akteure der Bürgergesellschaft, diejenigen also, die das vorleben, was die FDP sich zum Grundsatz gemacht hat, nämlich Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und sich privat engagieren statt auf den Staat zu warten, anzusprechen und mit ihrem Sachverstand für die FDP zu gewinnen, ist eine herausragende Chance für die FDP, ihre Netzwerke zu verstärken. Die FDP darf nicht nur über die Bürgergesellschaft reden, ihre Mitglieder müssen sie innerhalb der FDP empfinden.

30. Eine nachhaltig Vernetzung muss über das Internet hinaus immer mit dem Ziel verbunden werden, intensiven direkten Kontakt von Mensch zu Mensch zu ermöglichen.

31. Daher sollen solche Mitmach-Elemente und Befragungen weiter ausgebaut und noch breiter in der Mitgliedschaft verankert werden. So verpflichten wir uns für künftige Kampagnen/Schwerpunktsetzungen online Abstimmungen in der Partei durchzuführen.

Dabei gilt die Devise: Liberal ist, wer liberale Grundwerte lebt.
Dieser Ansatz liegt den Kampagnen der FDP zu Grunde. Stärker als bei politischen Mitbewerbern müssen Kampagnen der FDP daher Bürgerinnen und Bürgern nicht nur zum Ziel sondern auch zum Partner der Kampagnenkommunikation machen. Der verstärkten Integration der Kampagnenbotschafter in die Entwicklung und Durchführung der Kampagne auf allen Ebenen der FDP kommt dementsprechend eine zentrale Bedeutung zu.

32. Das Instrument des „Kampagnenbotschafter“ ist ein offenes barrierefreies Angebot der FDP, um Interessenten eine Möglichkeit zur Mitwirkung anzubieten und an die Liberalen heranzuführen. Darüber hinaus unterstreicht es den Bewegungsgedanken, der künftige Kampagnen sowie die Arbeit der FDP insgesamt begleiten soll. Denn ein Kampagnenbotschafter ist zu allererst der Botschafter einer Idee, der Idee der Freiheit.

33. Dabei wendet sich die FDP nicht an bestimmte Zielgruppen, sondern an „Stilgruppen“. Sie definieren sich eben nicht über Bildungsgrad, Status und Einkommen, sondern über Haltungen und Lebensgefühle. Sie begeistern sich für liberale Werte wie Leistungsbereitschaft, Toleranz und Weltoffenheit. Die zu verstärkende Mitgliederwerbung z.B. bei Frauen und bei neuen Alten knüpft deshalb an die gleichen liberalen Lebensstile an wie in der Gesamtpartei und findet nicht eingegrenzt auf klassische Frauen- oder auch Seniorenpolitik statt.

34. Zum einen verfolgen wir damit die Maxime des Networkings, zum anderen wollen wir die Menschen so individuell und persönlich wie möglich ansprechen. Bereits heute kann sich jeder Nutzer von my.FDP einen individuellen Newsletter zusammenstellen – zugeschnitten auf seine ganz individuellen Wünsche.

35. Wir werden die bereits bestehenden Serviceangebote weiter ausbauen und den individuellen Nutzen für jeden User noch weiter steigern. So werden wir beispielsweise unsere Kommunikationsplattform my.FDP regionalisieren, den registrierten Usern die Möglichkeit geben, sich individuelle Mitmachmöglichkeiten zusammenzustellen und das Thema „automatic response“ weiter professionalisieren.

36. Die Parteiarbeit soll sich aber zukünftig noch stärker für jedes einzelne Mitglied auch wirklich „auszahlen“. Bereits jetzt gibt es für Mitglieder eine ganze Reihe an Vergünstigungen und Rabatten, die Unternehmen auf der Grundlage von Rahmenverträgen mit der Bundespartei jedem Parteimitglied exklusiv einräumen. Die Bundesgeschäftsstelle wird aufgefordert, gezielt weitere solche Rahmenverträge abzuschließen und damit das ehrenamtliche Engagement jedes einzelnen Mitglieds noch besser zu belohnen und die Vorteile einer Mitgliedschaft noch weiter zu steigern.

37. Wenn die FDP zukunftsfähig und lebendig bleiben will, muss sie sich auch im Bereich der sozialen Netzwerke stärker engagieren und die Talentförderung und Expertenpflege ausbauen. Dafür müssen Programme entwickelt werden, die das Potential in unseren eigenen Reihen und im Umfeld der FDP besser fördern und somit auch besser nutzbar machen.

38. Alle Neumitglieder sind ab den ersten Kontakten auf „my.FDP“ auf den individuellen Newsletter und auf die Experten-Datenbank hinzuweisen. Die Experten- und Personalvermittlung ist weiter zu professionalisieren. Dafür soll die im Zusammenhang mit dem Mentoring-Programm („Top-Nachwuchs-Talent“) geschaffene Kooperation mit der Internet-Stellenbörse „Yourcha“ weiter ausgebaut werden.

39. Mit allen Vorfeldorganisationen sollen regelmäßige Gespräche auf der jeweiligen Ebene der Partei stattfinden. Gegebenenfalls können dabei auch „Zielvereinbarungen“ getroffen werden, bei denen sich die Vorfeldorganisationen perspektivisch bestimmte Zielerreichungen vornehmen und die Partei ihrerseits dafür bestimmte notwendige Projekte konkret unterstützt. Zugleich sollte die Partei auf allen Ebenen besser die Experten aus den verschiedenen Vorfeldorganisationen bei der Arbeit an entsprechenden Themen oder Kampagnen nutzen.

40. Vorfeldorganisationen sollten die Interessen ihrer jeweiligen Zielgruppen in die Parteiarbeit einbringen, sie sollen aber noch stärker die Politik der Partei in die entsprechenden Zielgruppen vermitteln. Vorfeldarbeit darf sich nicht auf die Selbstbeschäftigung mit Formfragen und Geschäftsordnungsangelegenheiten konzentrieren, sie muss immer prioritär auf Wirksamkeit in den jeweiligen Zielgruppen ausgerichtet sein. Umgekehrt soll Vorfeldarbeit auch besser als bisher in die Beschlussfindung der Partei auf allen Ebenen einfließen.

Einfügen: Vorfeldarbeit, handschriftliche Nummern 40-43.

41. Eine große Herausforderung wird es sein, dass sich die Geschäftsstellen noch mehr den Menschen öffnen und zu Begegnungsstätten im Herzen der Stadt und in der Mitte der Gesellschaft werden. Sie sollen sich weiterentwickeln von der Verwaltungszentrale zur Service-Zentrale, vom Parteibüro zum Bürgerbüro.

42. Das ist auch das Ziel der eingesetzten Arbeitsgruppe „Moderne Geschäftsstellenarbeit“, deren Aufgabe es ist, ein Konzept für eine modernere, bürgernähere, offenere und dialogorientiertere Gestaltung der FDP-Landesgeschäftsstellen zu erarbeiten.

43. Wir wollen den Ideen-Transfer aus der Gesellschaft und den Kompetenz-Transfer aus der Wirtschaft miteinander verbinden und für uns nutzbar machen. Das bedeutet beispielsweise, dass wir eine schnelle, leistungsstarke und leicht zu bedienende Datenbank implementieren wollen, die gerade auch den Landesverbänden ihre tägliche Arbeit bei der Zielgruppenansprache erleichtert.

44. Dafür müssen die Organisationsstrukturen weiter auf die Erfordernisse des „Kunden“, d.h. des Wählers, ausgerichtet und in entsprechende Maßnahmen umgesetzt werden. Die Einführung evtl. von „Wählerbeauftragten“ erleichtern der FDP den Zugang zu den relevanten Zielgruppen und sprechen gleichzeitig die Sprache des Managements in der FDP.

45. Gerade im Geschäftsstellenbereich können moderne Managementstandards aus der Wirtschaft noch stärker Anwendung finden als auf der ehrenamtlichen Ebene der Partei. Im Geschäftsstellenbereich sind konkrete Zielvereinbarungen von der Mitgliederwerbung bis zum Fundraising auf allen Ebenen möglich. Im Geschäftsstellenbereich können Controlling-Instrumente zur Evaluierung aller wichtigen Maßnahmen eingesetzt werden. Hierfür ist ein Modell zu entwickeln, welches für wichtigste Zielsetzungen ein Raster für alle Parteiebenen schafft. Dabei sollten die Erfahrungen der Jungen Liberalen mit ihrem „Masterplan“ und die Erfahrungen des FDP-Landesverbandes Baden-Württemberg mit „Zielvereinbarungen/Verträge mit Gliederungen“ einbezogen werden.

46. „my.FDP“ ist damit bestens geeignet, um von jedem Ort jederzeit im Netzwerk mit anderen zu planen, zu gestalten und auch Gremiensitzungen durchzuführen. Ideal ist diese virtuelle Gremienarbeit vor allem für ländliche Kreisverbände mit großen Einzugsgebieten für Gremienmitglieder. Gerade hier wird empfohlen, z. B. jede zweite Gremiensitzung virtuell zu absolvieren. Ideal ist diese Art der Gremienarbeit außerdem für jede Art von Arbeitskreisen und insbesondere auch für „Ad hoc-Arbeitsgruppen“.

47. In der traditionellen Gremienarbeit wollen wir die Behandlung formaler Tagesordnungspunkte zugunsten der politischen Diskussion zurückdrängen. Jede Gremiensitzung sollte mit einem Schwerpunktthema verbunden werden. Dazu könnte immer auch die interessierte Mitgliedschaft und die interessierte Öffentlichkeit eingeladen werden. Auf Landesebene wäre insbesondere in der Arbeit der Landesfachausschüsse der Ausbau der internen Gremientagungen zumindest einmal jährlich zu einer öffentlichen Fachkonferenz oder einem Fachkongress möglich.

48. Vorstände sollten mit ihren Sitzungen immer auch den Zielgruppendialog und Verbandsgespräche verbinden. So wie das Präsidium der FDP auf Bundesebene oder der Vorstand der FDP-Bundestagsfraktion regelmäßig Verbandsgespräche mit ihren Sitzungen verbinden, könnte auf allen Ebenen mit gewisser Regelmäßigkeit der Kontakt zu Vorständen von Vereinen, Verbänden, Kammern etc. gesucht werden. Evtl. kann das auch unter Einbeziehung von Experten der Bundespartei/Bundestagsfraktion geschehen um z. B. dem örtlichen Anwaltverein oder der Bäcker-Innung oder dem lokalen Kulturverein einen zusätzlichen Gesprächsanreiz zu bieten.

49. In allen Vorständen sollte es eine bessere Geschäfts- und Aufgabenverteilung geben, wie z. B. bei politischen Themen auch im Präsidium der FDP auf Bundesebene. Die Bundesgeschäftsstelle wird einen Vorschlag gemeinsam mit interessierten Kreisverbänden erarbeiten, wie auch auf Kreisverbandsebene eine bessere Ressort-Zuständigkeit der einzelnen Vorstandsmitglieder zur Erleichterung der Arbeit für alle und zugleich zu besserer Außenwirkung der Arbeit führen kann.

50. In allen Vorständen sollte es ein unabdingbares Minimum an Dokumentation und öffentlicher Darstellung der Arbeit geben. Insbesondere sollte die eigene Partei schnell über Beschlüsse informiert werden und es sollte eine transparente Beschlusskontrolle geben.

51. Eine Änderung des Parteiengesetzes mit Lockerung des heutigen Wohnortprinzips und rechtlicher Verankerung virtueller Mitgliedschaften mit Rechten und Pflichten ist deshalb eine notwendige Reform zur notwendigen Vitalisierung des demokratischen Engagements. Die FDP steht zu diesem Thema schon seit längerem im Kontakt mit der einschlägigen Wissenschaft, um den konkreten Veränderungsbedarf zu fixieren und eine entsprechende Gesetzesinitiative vorzubereiten.

52. Im Parteiengesetz sollten darüber hinaus auch andere Elemente für bessere Mitwirkungschancen in der Parteiarbeit verankert werden. Dazu gehört die in Kapitel 1 dargestellte „Wähler-Registrierung“ und das „Bürger-Recht auf abgestufte Mitwirkungsmöglichkeiten“.

53. Der strategischen Konzentration der Arbeit auf die wichtigsten Ziele der FDP folgt auch der Umbau der Parteizentralen von Verwaltung auf Gestaltung, von administrativer Bürokratie zum „Freiheits-Laden“. Neben dem „Pflichtprogramm“ nach Gesetz und Satzung müssen sich alle Geschäftsstellen auf allen Ebenen immer auch nach dem regelmäßigen „Kür-Programm“ fragen lassen. Das muss stets verbunden sein mit dem Wunsch, auch durch eigene zusätzliche Maßnahmen die Kampagnenfähigkeit der Partei zu vergrößern, die Zielgruppen der Partei zu verbreitern, den direkten Dialog zu verstärken und den Service für Mitglieder und Öffentlichkeit zu verbessern.

54. Alle Organisationseinheiten der Partei müssen dazu beitragen, die Alleinstellung der FDP und die Relevanz ihrer politischen Botschaft zu vergrößern. Das ist in erster Linie weder eine Frage bürokratischer Vorgaben oder des Controllings, sondern der Grundeinstellung der Mitarbeiter auf allen Ebenen. Die Bundesgeschäftsstelle wird dafür gemeinsam mit den Landesgeschäftsstellen ein Diskussions-Papier zu den wichtigsten Tugenden der Mitarbeit in liberalen Organisationen beraten.

55. Die FDP will mehr Möglichkeiten für Bürgerentscheide, Bürgerbegehren und Bürgerbefragungen auch auf Landes- und Bundesebene. Mehr direkte Demokratie soll die repräsentative Demokratie nicht ersetzen, sondern bereichern.

56. Der Bundespräsident soll direkt von den Bürgern gewählt werden. Künftig soll nur noch eine einmalige Amtszeit von 7 Jahren möglich sein. Die Bürger sollen ihren obersten Repräsentanten (Streitpunkt in der Arbeitsgruppe, nur mit knapper Mehrheit so entschieden) selbst bestimmen können. Die Direktwahl des Bundespräsidenten ohne die Möglichkeit einer Wiederwahl hält das Amt freier von parteitaktischen Erwägungen und ist ein Beitrag zur Identifikation des Volkes mit ihrem obersten Repräsentanten.

57. Dauerwahlkampf lähmt Entscheidungen. Wenn Parteien ihren Fahrplan und ihre Haltung nach der jeweils nächsten Wahl ausrichten, wächst der Reformstau immer weiter. Die Bündelung der Wahltermine auf einen festen Wahltermin pro Jahr für Wahlen schafft mehr Freiraum für Entscheidungen. Aus dem gleichen Grund begrüßt die FDP, dass immer mehr Bundesländer auf fünfjährige Wahlperioden umsteigen. Auch die Legislaturperiode des Deutschen Bundestages sollte von vier Jahre auf fünf Jahre verlängert werden.

58. Gleichzeitige Mitgliedschaften im Europäischen Parlament, dem Bundestag oder einem Landtag müssen gesetzlich untersagt werden. Wenn die staatlichen Ebenen stringent getrennt sind, darf diese Trennung nicht durch Interessenkollisionen von Mandatsträgern, die auf verschiedenen Ebenen tätig sind, relativiert werden.

59. Die Bezahlung und Versorgung von Politikern muss dringend reformiert werden. Politiker sind immer wieder dem Vorwurf der Selbstbedienung ausgesetzt. Nach geltendem Recht hat der Deutsche Bundestag selbst über die Abgeordnetenentschädigung zu entscheiden. Die FDP plädiert für die Einberufung einer unabhängigen Kommission durch den Bundespräsidenten. Diese Kommission soll die Höhe der Abgeordnetenentschädigung festsetzen. Im Abgeordnetengesetz soll dazu vorgesehen werden, dass sich diese Entschädigung an dem verfassungsrechtlichen Angemessenheitsgebot unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen Einkommens- und Preisentwicklung und der Unabhängigkeit des Mandats orientiert. Nur so kann der Vorwurf der Selbstbedienung entkräftet werden und damit das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in eine an objektiven Maßstäben orientierte Entscheidung über die Anpassung der Abgeordnetenentschädigung wieder gewonnen und damit das Ansehen des Bundestages und der Politik insgesamt gestärkt werden.

60. Staatswirtschaft ist das Einfallstor für Parteibuchwirtschaft. Nur wenn der Staat Unternehmen besitzt, kann er parteipolitisch Posten verteilen. Die konsequente Privatisierung von Staatsbeteiligungen ist nicht nur ordnungspolitisches Gebot. Sie nimmt der Politik den Zugriff auf die Wirtschaft. Dabei wendet sich die FDP gegen mancherlei Scheinprivatisierung auf kommunaler Ebene. Privatisierung muss auf Unabhängigkeit und auf Wettbewerb ausgerichtet sein, um tatsächlich dem Ziel zu dienen, Leistungen für die Bürger schneller, besser und kostengünstiger erbringen zu können.

61. Die Parteien müssen verpflichtet werden, eventuelle Beteiligungen an meinungsbildenden Medien im Einzelnen öffentlich auszuweisen und die wirtschaftlichen Ergebnisse transparent und kontrollierbar zu machen. Im Interesse einer klaren Gewaltenteilung und der Kontrollfunktion unabhängiger Medien, der so genannten vierten Gewalt, sind langfristig solche Medienbeteiligungen von Parteien grundsätzlich zu untersagen.

62. Hinsichtlich der Möglichkeit des Kumulierens und Panaschierens stehen alle Parteien vor einer großen Herausforderung. Besteht diese Möglichkeit derzeit auf kommunaler Ebene bereits in 11 Bundesländern, so besteht die Möglichkeit zum Panaschieren derzeit auf Landesebene nur bei den Hamburger Bürgerschaftswahlen. Eine Ausweitung auf Länderebene wäre schon aus dem Grund wünschenswert, dass sich die berufliche, altersmäßige und geschlechtliche Zusammensetzung der Parlamente durch die Möglichkeit des Kumulierens und Panaschierens besser dem Bevölkerungsdurchschnitt anpasst und die „Beamtenparlamente“ zurückgedrängt werden. (Streitpunkt in der Arbeitsgruppe, nur eine knappe Mehrheit will die Ausweitung von Kumulieren und Panaschieren auf Landesebene)

63. Als Reaktion auf die immer spätere Wahlentscheidung der Menschen sollte parteiübergreifend darüber dachgedacht werden, einen zeitlich begrenzten Wahlkampf zu führen. Dieser könnte sich bspw. auf die letzten drei Wochen vor dem Wahltag beschränken.

64. Weiterer Reformbedarf besteht aber auch hinsichtlich folgender bestehender rechtlicher Beschränkungen, die allesamt demokratisches Parteienengagement diskriminieren, wie z.B. kommunale Plakatierungsverbote und einschränkungen, die Ghettoisierung in der Kinowerbung bei Wahlspots, die Warnhinweise im öffentlich rechtlichen Rundfunk und Fernsehen.

65. Die AG Parteireform fordert ein Service-Center für Vorfeldorganisationen

66. Zwischen der Partei und den Vorfeldorganisationen sollen Zielvereinbarungen geschlossen werden.

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Mittwoch 22. Juli 2009

Nichtwähler


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Mittwoch 22. Juli 2009

FAZ vom 22. Juli 2009


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Montag 20. Juli 2009

Walter Scheel

Berlin, 15. Juli 2009

         Bundespräsidialamt

        

         Sperrfrist: 15. Juli 2009, 19.30 Uhr

        

         Änderungen vorbehalten.

         Es gilt das gesprochene Wort.

        

        

         “Immer wieder seiner Zeit voraus”

         Laudatio von Bundespräsident Horst Köhler

         auf Bundespräsident a. D. Walter Scheel

         anlässlich seines 90. Geburtstages

         am 15. Juli 2009

         in Schloss Bellevue

 

Lieber Walter Scheel, es ist eine besondere Freude, heute in dieser Runde Ihren 90. Geburtstag zu feiern. Das hat zwei Gründe: Erstens ist es ein stattlicher Geburtstag, den Sie vergangene Woche feierten - wir alle gratulieren von Herzen. Und zweitens: Sie sind wohlauf nach schwieriger Zeit, und es gibt Grund zu Dankbarkeit.

“Mr. Bundesrepublik” - so hat Arnulf Baring Sie genannt, und er gesteht Ihnen zu, gemeinsam mit Willy Brandt eine Ära geprägt zu haben.

Das war Ihnen nicht in die Wiege gelegt.

Geboren wurden Sie in den sprichwörtlichen “einfachen Verhältnissen” einer Handwerkerfamilie. Daraus lassen sich wohl einige Ihrer hervorstechenden Eigenschaften erklären. Ihre Eigenständigkeit und Ihr Leistungswille beispielsweise; Sie waren dankbar dafür, dass Sie auf die weiterführende Schulen gehen durften und Abitur machen konnten. Und Sie haben die Gabe, auf Menschen zugehen zu können.

Dann war da Ihr Onkel Richard als prägende Figur Ihrer jungen Jahre; Onkel Richard aus Daaden, der Ortsvorsteher war und früh Ihr Interesse für Politik weckte.

In allen Ihren späteren Ämtern war der Maßstab Ihres Denkens und Handelns immer der einzelne Mensch mit seinem Streben nach Freiheit und Glück - aber auch mit seiner Begrenztheit und Fehlbarkeit. Ideologien blieben Ihnen fremd. Noch heute lohnt die Lektüre der von Ihnen mitverfassten “Freiburger Thesen”. Was hier zur Balance von Freiheit und Gleichheit gedacht wurde, hat Bestand.

Lieber Herr Scheel, Sie haben alle Stufen der parlamentarischen Arbeit durchlaufen, vom Stadtverordneten bis zum Europaabgeordneten. Im Europaparlament waren Sie Vorsitzender des Ausschusses für die Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern. Da war es wohl auch kein Zufall, dass Sie am 14. November 1961 zum ersten Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit ernannt wurden.

So betraten Sie Neuland. Sie hatten erkannt, dass es auch in unserem wohlverstandenen Eigeninteresse liegt, den Entwicklungsländern zu helfen, und warben früher als andere für das Bewusstsein, dass wir alle in Einer Welt leben.

“Entwicklungspolitik ist eine Art Sozialpolitik im weltweiten Ausmaß. Es geht darum, die Kluft zwischen reichen und armen Völkern zu beseitigen. Wenn uns das nicht gelingt, dann werden wir eines Tages möglicherweise eine Katastrophe erleben, dann wird es, wie Salvador de Madariaga einmal gesagt hat, zu einem sozialen Welt-Bürgerkrieg kommen müssen. […] Wir treiben also Entwicklungspolitik nicht allein um der Menschen Willen, die in Not und Elend leben, sondern auch, um für uns und unsere Kinder Sicherheit zu schaffen.”

Diese Definition von Entwicklungspolitik ist 46 Jahre alt - sie stammt von Walter Scheel und ist heute noch so aktuell wie damals.

Schnell herrschte auch im BMZ der für Walter Scheel typische Gründergeist. Sie initiierten den Deutschen Entwicklungsdienst nach dem Vorbild des amerikanischen Peace-Corps. Die Idee dahinter ist noch immer aktuell. Ich halte es für ein Versäumnis, dass wir es bis heute nicht geschafft haben, allen interessierten jungen Menschen die Möglichkeit zu geben zu einem Freiwilligenjahr für die Gemeinschaft, sei es bei uns oder im Ausland.

Neuland betraten Sie auch für Ihre Partei: Sie waren maßgeblich daran beteiligt, der FDP neue Koalitionsmöglichkeiten zu erschließen. Was Mitte der Fünfziger Jahre in Nordrhein-Westfalen auf Landesebene begann, mündete Ende der Sechziger in die erste sozialliberale Koalition auf Bundesebene - mit Walter Scheel als Vizekanzler und Außenminister.

Die Neue Ostpolitik war auch Ihnen ein persönliches Anliegen. Als Außenminister haben Sie damals viele Türen geöffnet. Sie waren ein brillanter Verhandler. Dabei haben Sie das deutsche Interesse immer fest im Blick behalten. Davon kündet beispielhaft der Brief zur Deutschen Einheit, den Sie 1970 im Zusammenhang mit dem Moskauer Vertrag an den sowjetischen Außenminister Andrej Gromyko gesandt haben. Dort heißt es: “Die Bundesregierung stellt fest, dass der zu unterzeichnende Vertrag nicht im Widerspruch steht zur politischen Absicht der Bundesrepublik Deutschland, auf einen Zustand des Friedens in Europa hinzuwirken, in dem das deutsche Volk in freier Selbstbestimmung seine Einheit wiedererlangt.” Auch diesem Brief verdanken wir, dass wir seit fast 20 Jahren in Einigkeit und Recht und Freiheit leben.

Ich freue mich sehr, dass heute mit Egon Bahr ein weiterer Architekt und Vordenker der Neuen Ostpolitik unter uns ist.

In der Tat: Zusammen mit Willy Brandt und Egon Bahr gestalteten Sie, lieber Herr Scheel, “eine Entwicklungsperiode in unserem Land, die Denken und Handeln veränderte” (Walter Scheel in einem sehr persönlichen Brief an Willy Brandt).

Wohl kein Vizekanzler und kein Bundeskanzler haben je in einem so engen, vertrauensvollen, ja freundschaftlichen Verhältnis zueinander gestanden wie Walter Scheel und Willy Brandt.

Mehr als sonst üblich haben sich diese beiden Koalitionäre aufeinander verlassen - und konnten das auch.

Wir lernen daraus: Vertrauen ist unabdingbar, wenn Führungspersönlichkeiten notwendige Veränderungen in einer Gesellschaft bewirken wollen.

Und wehe, das gemeinsame Werk geriet in Gefahr - in solchen Momenten erwachte in Walter Scheel der glänzende Rhetoriker und leidenschaftliche Parlamentarier, für den Politik niemals “schäbiges Spiel” oder mit dem “Makel des Wortbruchs” behaftet sein durfte.

Doch bei aller Schärfe der politischen Kontroverse - für Sie, lieber Walter Scheel, hat es immer dazugehört, Brücken auch über Parteigrenzen hinweg zu bauen. Thomas Dehler hat einmal gesagt, Sie verfügten über die “Gabe, die Wahrheit so zu sagen, dass sie nicht verletzt, aber dennoch gesagt wird.” Ehrlichkeit, die gehört eben auch dazu.

Bei aller ungebrochenen Verbundenheit mit Ihrer FDP - wo Ihr kluger Rat, Ihr reicher Erfahrungsschatz bis heute gefragt sind -, genießen Sie in allen politischen Lagern und bei den Menschen großes Vertrauen. “Miteinander, nicht gegeneinander” - so lauteten Titel und Kernaussage Ihrer Antrittsrede als Bundespräsident.

Und auch dieses höchste Staatsamt hat Walter Scheel geprägt: mit Weltläufigkeit, mit liebenswürdiger Gelassenheit, mit Menschenkenntnis, Optimismus und Humor - und mit Pflichtbewusstsein und Nachdenklichkeit. In den schweren Wochen des deutschen Herbstes gab er den Deutschen Mut und Orientierung. Er verteidigte die freiheitliche Grundordnung gegen ihre Verächter und machte zugleich deutlich, dass auch diese Feinde der Verfassung nicht rechtlos gestellt werden dürfen.

Den “maßvollen, rücksichtvollen Geist der Freiheit - zuversichtlich strahlt dieser Bundespräsident ihn aus” - so charakterisierte Dolf Sternberger Walter Scheel.

Wir verdanken seiner Präsidentschaft viele bis heute wirksame Impulse. Immer wieder war er seiner Zeit voraus. Sozialer Ausgleich, Mitbestimmung, die Bedeutung des geeinten Europas für den Erhalt von Frieden und Demokratie, Umwelt - das waren Fragen, die ihn auch im höchsten Staatsamt bewegten.

Hinzu kommt seine lebhafte Anteilnahme an Kunst und Kultur. Es ist schon die große Bandbreite an Themen, die beeindruckt. Mich selber hat er mit charmanter Beharrlichkeit davon überzeugt, seine Nachfolge als Ehrenpräsident des Deutschen Künstlerbundes anzutreten - eine Aufgabe, die Walter Scheel fast drei Jahrzehnte lang wahrgenommen hat.

Neben der Kunst gibt es ein Anliegen, das Walter Scheel auch nach dem Ausscheiden aus allen Ämtern stets bewegt hat - und in dem ich mich besonders verbunden fühle mit ihm: die Stärkung der Bürgergesellschaft, ohne die ein freiheitliches Gemeinwesen nicht existieren kann.

Lieber Walter Scheel, Sie sind sich immer treu geblieben. In Ihrer Zeit als Außenminister gab Ihnen ein Public-Relations-Berater - so nannte man das schon damals - die Empfehlung, dass Sie weniger lächeln sollten, weil die Leute Sie sonst nicht ernst nähmen. Sie haben diesen Rat (mit Recht) ignoriert. Als zweites riet Ihnen der Mann aber, Sie sollten ansonsten bitte so bleiben, wie Sie sind.

Das ist ein Wunsch, dem wir uns alle nur anschließen können. Wir wünschen Ihnen von Herzen alles Gute - vor allem, dass Sie wieder vollständig zu Kräften kommen.

Walter Scheel, danke für alles. Sie haben sich um Deutschland verdient gemacht. Trinken wir auf Sie, auf weitere Jahre und alles Gute!

von Hans-Jürgen Beerfeltz 08:07 Kommentare (0) Trackback