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Die Bundesgeschäftsstelle als Freiheitsladen
Das Thomas-Dehler-Haus ist die größte Parteizentrale aller Parteien. Mit einer Bürofläche von mehr als 11.000 qm ist sie sogar fast doppelt so groß wie die Parteizentralen von CDU und SPD.
Selbst nutzt die FDP von dieser Gesamtfläche jedoch nur knapp 10 Prozent – alles andere ist Mietfläche mit dem Ziel, langfristig die Ausgaben des Normalhaushalts der Partei aus Mieteinnahmen decken zu können. Dahinter steckt ein ganz einfaches wirtschaftliches und strategisches Konzept. Die neue Parteizentrale soll finanziell zur Sanierung der FDP beitragen. Denn gleichzeitig wurde das Thomas-Dehler-Haus in den letzten Jahren strategisch immer mehr von einer Verwaltungszentrale zu einem “Freiheitsladen” um- bzw. ausgebaut.
Dieses Konzept ist aber auch eng mit der Überlegung verbunden, immer unabhängiger von der staatlichen Parteienfinanzierung zu werden. Es ist zudem eine Frage der Glaubwürdigkeit, denn eine Partei, die überall auf Abbau von Subventionen drängt, möchte gern auch selbst auf diese staatliche Unterstützung des Politikbetriebs verzichten können.
Die innere Organisation des Thomas-Dehler-Hauses folgt dem Maßstab des amerikanischen “war-floor”-Prinzips, dem Prinzip der kurzen Wege. Deshalb befinden sich die Büros des Bundesvorsitzenden, des Bundesgeschäftsführers, des Generalsekretärs und des Bundesschatzmeisters in räumlich unmittelbarer Nähe und erlauben damit kürzeste Entscheidungs-Wege im eigentlichen Wortsinn. Von diesen kurzen Wegen überzeugen sich weit über 6450 Besucher pro Jahr.
Das Thomas-Dehler-Haus ist als offenes Haus mit zwei öffentlich zugänglichen Restaurants gestaltet und beinhaltet ein großes Konferenzzentrum, um gewinnbringend auch für externe Veranstaltungen dienen zu können. So finden derzeit pro Jahr ca. 191 kleinere und 132 größere Veranstaltungen statt.
Zudem wird weitgehend auf eigene Wanddekoration verzichtet, dafür finden ständig Ausstellungen insbesondere mit jungen Künstlern statt, die sich über die kostenlosen Ausstellungsflächen freuen. Damit unterstützt die FDP ihr Image als kulturfreundliche Partei und das Konzept der Offenheit des Hauses. Ein kleines Beispiel nur, aber es illustriert die gewollte Schaffung von win-win-Situationen mit gleichzeitiger Ersparnis für die FDP und politisch gewollter Offenheit.
Zudem präsentiert sich das Thomas-Dehler-Haus mit dem Konzept einer bewussten politischen Offenheit als einzige Parteizentrale mit einem Bürgerbüro direkt am Bürgersteig. Der “Info-Point” ist zugleich mit seiner kompletten Ausstattung ein Angebot an die Partei als nutzbare “Musterkreisgeschäftsstelle”. Weitere Partei-Räume in Erdgeschoss nutzt die FDP als “Kampagnen-Zieharmonika”.
Bei Wahlkämpfen werden hier die war-rooms oder die “Mitmach-Zentrale” als Anlaufstelle für alle Maßnahmen im Dialog-Marketing eingerichtet. In Nicht-Wahlzeiten dienen die Räume aber auch zum Beispiel für ständige Ausstellungen zur Arbeit und zu den Kampagnen der Partei oder auch als Arbeitsplätze für Praktikanten.
Wichtigster Punkt ist aber zweifellos die strategische Konzentration der Arbeit auf die wichtigsten Ziele der FDP: Der Umbau der Parteizentrale von Verwaltung auf Gestaltung. Von administrativer Bürokratie zum “Freiheits-Laden”.
Unter Nutzung der Management-Prinzipien im Bereich Projektentwicklung über die Prozesssteuerung bis hin zur Mitarbeitermotivation wird die gesamte Arbeit unterteilt in “Pflichtprogramm und Kürprogramm”.
Das Kürprogramm wird mit der Frage verbunden, was diese Woche geleistet wurde, um die Kampagnenfähigkeit der Partei zu vergrößern, die Zielgruppen der Partei zu verbreitern, den direkten Dialog zu verstärken etc.
An jede Idee im Rahmen von Kampagnen im Kürprogramm werden solche Parameter wie eine Messlatte angelegt, um die Alleinstellung der FDP und die Relevanz ihrer politischen Botschaft weiter zu vergrößern.
Insgesamt hat die FDP Bundesgeschäftsstelle nur noch 26 Vollzeitstellen gegenüber früher 54 vor dem Umzug von Bonn nach Berlin.
