Startseite | Impressum

« zurück

Interview zur Kooperation mit der Gates-Stiftung

Welches Abkommen haben die Bundesregierung und die Gates-Stiftung zur Unterstützung der Global Alliance for Vaccines and Immunisation (GAVI) geschlossen?

Wir bemühen uns, gemeinsam mit der internationalen Impfallianz, die stark von der Gates-Stiftung unterstützt wird, die Ausrottung von Geißeln der Menschheit voranzutreiben. Bis 2013 soll zum Beispiel keine Kinderlähmung mehr auf der Welt existieren. Dafür beteiligte sich Deutschland bisher

jährlich mit einem Betrag von vier Millionen Euro. Wie bei einer Wette haben wir die Beträge nun auf 20 Millionen Euro erhöht, und Bill Gates hat noch einmal die gleiche Summe daraufgelegt, sodass sich unsere ursprüngliche Vier-Millionen-Euro-Leistung verzehnfacht hat.

 

 

Welche gemeinsamen Ziele verfolgen Sie noch?

Wir haben einen Vertrag mit der Gates-Stiftung geschlossen und wollen in den Bereichen wie Bildung weltweit und auf anderen Feldern der Entwicklungszusammenarbeit künftig noch besser kooperieren. Die Zusammenarbeit wird nach dem gleichen Muster ablaufen wie bei der GAVI-Unterstützung.

 

 

Das heißt, die Bundesrepublik gibt für bestimmte Projekte Gelder, und die Gates-Stiftung verdoppelt die Beträge?

Genau. Als Bundesrepublik Deutschland müssen wir die Zusagen zur Quantität der Entwicklungshilfe einhalten, zu denen wir uns verpfl ichtet haben. Das wird aber nicht allein mit staatlichen Mitteln gehen. Für diese Zielsetzung wollen wir ehren amtliches Engagement stärker fördern und eine

bessere Zusammenarbeit mit der Wirtschaft erreichen. Darüber hinaus wollen wir Philanthropen animieren, ihr erwirtschaftetes Geld für gute Zwecke zurückzugeben. In Deutschland haben wir dafür so hervorragende Beispiele wie Michael Otto.

 

 

Wie wichtig ist die Kooperation zwischen staatlichen und privaten Institutionen zur Bekämpfung globaler Probleme?

Viel zu lange hat sich die ehrenamtliche Szene frontal gegen die Wirtschaft gestellt. Inzwischen gehen die Bereiche aufeinander zu. Die NGOs professionalisieren sich, und die Unternehmen wissen, dass sie nur dann gut verdienen, wenn sie sich auch verdient machen. Wir versuchen, diesen Prozess zu befördern, weil wir mehr Engagement sowohl von privaten Personen als auch von der Wirtschaft benötigen. Um die Wirksamkeit

der Hilfe zu erhöhen, hat Minister Dirk Niebel die Fusion zur Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, die GIZ, durchgeführt, um ein Nebeneinander verschiedener Organisationen zu beenden und mehr Schlagkraft für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit zu erreichen.

 

 

Was macht die Entwicklungshilfe so kompliziert?

Doppelte und Dreifachstrukturen sind hinderlich und kosten viel Geld. In staatlichen Bereichen gab es früher sogar Konkurrenzen in den Tätigkeitsfeldern der Entwicklungszusammenarbeit, die unnötige Reibungsverluste produzierten. Das haben wir beendet.

 

 

Die Bill & Melinda Gates Foundation ist die größte private Stiftung der Welt. Welchen Einfluss hat sie auf die

moderne Entwicklungshilfe?

Wir bewundern das Engagement der Stiftung und finden es ganz großartig, dass Bill Gates sich in dem Umfang selber engagiert und gleichzeitig versucht, auch andere Philanthropen zu finden, die sich ihm anschließen. Das möchten wir unterstützen und so zur Vermehrung des Geldes für die gemeinsamen Zwecke beitragen. Unser Ministerium versteht sich nicht als Obrigkeitsverwaltung, sondern wir wollen eine Bühne bauen, auf der die Zivilgesellschaft wie auch die Wirtschaft, vor allem der Mittelstand, bessere Chancen haben, sich zu engagieren.

 

 

Welche Rolle spielt die Innovationsförderung, um das Leben auf der Welt zu verbessern?

Innovationen sind von entscheidender Bedeutung vor allem angesichts der wachsenden Bevölkerung oder der zunehmenden Verstädterung. Innovationen sind entscheidend, um die damit verbundenen Probleme zu lösen. Auch für ihre Förderung engagiert sich unser Ministerium. Beispielsweise unterstützen wir viele innovative Projekte in den Bereichen Wasser- oder Energieversorgung.

 

 

Was wünschen Sie sich für dieUmsetzung der Millenniumsziele?

Ein besseres Engagement der Deutschen für dieses Thema. Wir wollen die Umsetzung der Ziele in die Mitte der Gesellschaft tragen und aus der Kuschelecke der Bundesregierung herausholen. Wir wollen sie hineinbringen in das unmittelbare Interesse Deutschlands, nicht in dem Sinne „Wir machen eine großartige Politik von Almosen“, sondern „Wir machen Investment im Interesse Deutschlands und unserer Partnerländer.“

 

 

Erschienen in  ELAN. 2|2011

Einen Kommentar schreiben