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Über Kommunikation, Konvergenz und Differenz

Minister Prof. Dr. Andreas Pinkwart

Minister Prof. Dr. Andreas Pinkwart

Extreme Beschleunigung, wachsende Komplexität, neue Dialogformen, aktive Rezipienten und eine Demokratisierung des politischen Dialogs: Mit diesen Entwicklungen beschrieb der nordrhein-westfälische Minister für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie, Prof. Dr. Andreas Pinkwart, beim 21. medienforum.nrw aktuelle Herausforderungen. Zum Auftakt des Konvergenzkongresses warnte der stellvertretende Ministerpräsident davor, Digitalisierung dürfe nicht zu journalistischer Entprofessionalisierung führen. Ebenso energisch aber kritisierte er eine kulturpessimistische Technikfeindlichkeit. Vielmehr gehe es darum, ei-ne souveräne Haltung zu entwickeln, um in jeder Lebenssituation zu begreifen, welches digi-tale Medium wann wofür sinnvoll einzusetzen sei.

„Jeder Nutzer will etwas anderes. Konvergenz ermöglicht dies auf unterschiedlichen Endgeräten“, beschrieb Stefan Tweraser das zentrale Element der aktuellen Entwicklung. Der County Manager Sales von Google Deutschland betonte, der erste Impuls für die Schaffung neuer multimedialer Anwendungen stamme jeweils vom Nutzer. Dabei sei die Plattform egal, ergänzte Terry von Bibra. Der Geschäftsführer von Yahoo Deutschland unterstrich, wichtig sei allein ein echter Kontakt zum Nutzer. Die Kunden wiederum, so erläuterte Dr. Dorothee Belz, interessierten sich nicht für die Technik, sondern prüften vor allem, ob die gewünschten Kommunikationsbedürfnisse erfolgreich gestillt werden. Die Expertin, die für den Rechts- und Politik-Bereich von Microsoft Europe zuständig ist, brachte dies wie folgt auf den Punkt: „Der Nutzer möchte gerne alles nutzen, überall und umsonst.“ Dies werde durch die Digitalisierung möglich, allerdings nicht durch ein einzelnes Gerät. Vielmehr bedeute Konvergenz, dass Individuen mit unterschiedlichen Endgeräten auf identische, oft personalisierte Inhalte zugreifen könnten.

Martin Lorber, der die PR-Abteilung des Games-Entwicklers Electronic Arts leitet, erklärte, Medienanbieter müssten sich im Zeitalter der Konvergenz jeweils fragen, welcher Inhalt zu welchem Kanal passe. Im Übrigen prophezeite er, das Fernsehen werde in seiner Funktion als Leitmedium schon bald vom interaktiven Entertainment der Games-Branche abgelöst. Längst ließen sich in digitale Spiele nämlich auch andere Medienelemente integrieren. Der Geschäftsführer der RTL Interactive GmbH ist da anderer Meinung. Marc Schröder wies darauf hin, dass auch Free-TV-Programmanbieter ihre Inhalte längst multimedial vermarkten.

Viele Entwicklungen im Konvergenz-Bereich ließen sich kaum voraussagen, urteilte Schröder. So sei die Branche etwa vom Mobile-Media-Boom überrascht worden. Entscheidend beim mobilen Internet sei aber nicht etwa das mobile Surfen, sondern die Möglichkeit von Online-Applikationen. Google-Manager Tweraser berichtete, allein für das G-Phone seien in-zwischen mehr als 5.000 Anwendungen erhältlich. Deutlich schlechter als erwartet hat sich hingegen das sogenannte Handy-TV entwickelt. Filmpool-Geschäftsführer Stefan Oelze sagte, es mache wenig Sinn, eine Tatort-Folge für ein kleines Handy-Display zu produzieren. Es ließen sich eben nicht immer alle Inhalte überall verbreiten. „Manchmal geht das Herun-terbrechen auf alle Plattformen einfach nicht“, warnte der Produzent, der auch dem Vorstand der MME Moviement AG angehört.

Ein entscheidender Faktor bei der Konvergenz, so wurde bei der Experten-Diskussion des Internationalen Konvergenzkongresses klar, ist ausgerechnet die Differenz. Für jede Kom-munikationssituation sind unterschiedliche Hardware- und Software-Lösungen oder Medien gefragt, deren Qualität es zu optimieren gilt. Dabei bleibe, so zeigte sich der nordrhein-westfälische Wissenschaftsminister Pinkwart überzeugt, auch genügend Raum für traditio-nelle Angebote, die allerdings eine hohe Qualität aufweisen müssten. „Die Konvergenz der Medien wird dazu führen, dass wir besonders gute Zeitungen und besonders gute Bücher bekommen werden“, lautete Pinkwarts Prognose.

RTL-Interactive-Geschäftsführer Schröder sagte, künftig müsse eine Balance zwischen alten und neuen Geschäftsmodellen gefunden werden. Für den Bereich der digitalen Medien wies Microsoft-Managerin Belz darauf hin, dass eine gut funktionierende Interoperabilität ent-scheidend sei, um den multimedialen Einsatz und die Kombination verschiedener Endgeräte zu verbessern.

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