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Die perfekte Stadt

Vor einigen Tagen ist in den USA das neue Buch „Who’s Your City“ von Richard Florida, dem Autor des legendären Buchs “The Rise of the Creative Class” erschienen.

51uy8rb5hcl_ss500_.jpg Darin zeigt Florida nicht nur, wie und warum die Wahl des Wohnortes zur wichtigsten Lebensentscheidung wird. Sondern er gibt seinen Lesern auch einen konkreten Leitfaden dazu in die Hand.

Laut Florida verlieren die Entfernungen zwischen konkreten Orten demnach immer stärker an Relevanz, die Wichtigkeit des Ortes selbst nimmt aber zu. Das wirtschaftliche Wachstum konzentriert sich immer stärker in sogenannten Megaregions.

Um von der Globalisierung profitieren zu können, empfiehlt es sich seinen Platz auf dieser Landkarte sorgfältig auszuwählen. Die „richtige“ Stadt in der Kreativökonomie charakterisiert sich durch die drei bereits bekannten 3 Ts – Technologie, Talent und Toleranz. Wobei dem letzten Faktor eine erhebliche Relevanz zukommt. Die Kreative Klasse fühlt sich nämlich nur dort wohl, wo sie ungewöhnliche Ansichten und einen unkonventionellen Lebensstil leben kann.

Florida stellt in seinem Buch zur Wahl der richtigen Stadt einen detaillierten Leitfaden zur Verfügung. Für jeden Typ Mensch und für jede Lebensphase gibt es auch den passenden Typ Stadt. Der erste Schritt beinhaltet, seine eigenen Wünsche, Prioritäten und Ziele für die jeweilige Lebensphase zu definieren – nichts weniger als die „key dimensions of your life“. In einem weiteren Schritt werden Städte-Kandidaten auf ihre Chancen in wirtschaftlicher, infrastruktureller, sozialer und ethischer Hinsicht evaluiert. Das geht von einer Analyse statistischer Fakten wie die Kriminalitätsrate und die Anzahl der verfügbaren Jobs bis zur Abwägung der Werte wie Vertrauen, Offenheit für Neues und Möglichkeiten zur Selbstentfaltung.

Eine wichtige Rolle nehmen dabei soziale Netzwerke, die nicht nur das Seelenwohl, sondern auch Innovations- und Aufstiegsmöglichkeiten sichern. Mit der Stadt wählen wir auch unsere Chancen im Job, unser soziales Umfeld und die Art, wie wir unsere Freizeit verbringen – nicht weniger als unser eigentliches Leben. Florida plädiert daher für eine informierte Entscheidung des Lebensmittelpunkts. Diese sollte man nicht dem Zufall oder einem einzelnen Jobangebot überlassen.

Florida kombiniert das Konzept Identitätsmanagement mit einer geographischen Dimension. Wir konstruieren unsere Identität durch die bewusste Wahl eines Wohnorts. Wir wählen die Stadt, die uns erlaubt, das zu tun, was wir möchten und der zu sein, der wir sein wollen.

Er verabschiedet sich damit von jeglichem traditionellen Konzept von „Heimat“. Für unser europäisches Empfinden ist dies sicherlich noch gewöhnungsbedürftiger als für die seit jeher mobileren US-Amerikaner. Die Herkunft bestimmt weniger als je zuvor über unseren künftigen Lebensmittelpunkt. Sondern dieser wird mit all unseren Wünschen und Werten ausverhandelt, entschieden und konstruiert. Das Konzept eines „Lebensmittelpunkts auf Zeit“ erlaubt uns die jeweils optimale Stadt für jede Lebensphase zu wählen. Für die Wahl unseres Wohnorts gilt daher: Je freier wir wählen können, desto bewusster gilt es die Entscheidung zu treffen.

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