Startseite | Impressum

« zurück

Coole Alte: Das Glück der späten Jahre

Das Cliché vom unglücklichen Alten – wenig scheint dran zu sein an diesem Vorurteil. Im Gegenteil konnte Forscherin Heather Lacey von der Universität von Michigan nachweisen, dass Menschen über 60 wesentlich glücklicher sind als Frauen und Männer zwischen 21 und 40 Jahren. Und dafür gibt es ganz verschiedene Ursachen.

Spannend an der amerikanischen Untersuchung ist: Sowohl die jüngeren als auch die älteren Befragten waren der festen Überzeugung, dass es sicher die jüngeren Probanden sein würden, die eine höhere Lebenszufriedenheit aufweisen. Alle Studienteilnehmer nämlich sollten einschätzen, ob das Leben mit 30 oder mit 70 Jahren schöner ist – und allesamt gingen davon aus, dass man in jüngeren Jahren mehr Spaß empfinden würde.

Doch weit gefehlt: Selbst wenn die Senioren angaben, früher glücklicher gewesen zu sein, so lag ihre selbst bewertete Lebenszufriedenheit in Wirklichkeit deutlich höher als die der jungen Teilnehmer. Und dafür gibt es auch handfeste Gründe. Eine Gewis-Befragung aus dem Jahr 2007 ergab, dass es kaum einen Bereich gibt, der die Menschen nach ihrem 50. Geburtstag noch so richtig stresst. Weder berufliche Probleme, noch die Partnerschaft, Finanzen oder die Freizeit.

Überall sorgen sich die (bei dieser Untersuchung befragten männlichen) 50+ weniger als die ebenfalls befragten Teilnehmer in den Altersgruppen zwischen 30 und 39 sowie zwischen 40 und 49 Jahren. Allein im Bereich Gesundheit liegen die 30- bis 39-Jährigen mit ihrer Sorglosigkeit vorne: Dieses Thema stresst nur 12 Prozent von ihnen, aber 13 Prozent der über 50-Jährigen und 16 Prozent der 40- bis 49-Jährigen.

Hinzu kommt: Je älter ein Mensch wird, desto entspannter wird er auch – diese These konnte jetzt eine Neurowissenschaftlerin der University of Sydney nachweisen. Sie belegt, dass bei Menschen unter 50 noch jede negative Erfahrung die Amygdala, das Hirnzentrum für Angst, aufwühlt. Je älter aber ein Mensch wird, desto weniger alamiert reagiert sein Gehirn auf Irritationen. Mit den Jahren steuert stattdessen vornehmlich die vordere Hirnrinde die Kontrolle der emotionalen Befindlichkeit – und das gelingt sogar dann, wenn die Anzahl der Nervenzellen in diesem Gebiet altersbedingt deutlich abgenommen hat. So kommt es, dass ältere Menschen sich auf positive Informationen fokussieren und negative Ereignisse herunterspielen.

Und das tut ihnen dann auch richtig gut: Eine andere Studie vom University College in London belegt, dass positive Gefühle die Gesundheit fördern. Um zu diesem Ergebnis zu kommen, wurden 200 Testpersonen mehrmals am Tag nach ihrem Gemütszustand befragt. Parallel dazu wurden Herzfrequenz, Blutdruck und die Konzentration des Stresshormons Cortisol im Speichel gemessen. Das Ergebnis: In allen Punkten schnitten glückliche Menschen besser ab als Personen mit einer eher unglücklichen Gefühlslage.

Vielleicht haben also auch jene Glücksforscher recht, die den Älteren einfach nur eine geschicktere Lebensstrategie unterstellen: Da mit zunehmenden Jahren das emotionale Wohlbefinden einen immer höheren Stellenwert einnimmt, fokussieren sich die älteren Menschen besonders auf positive Erlebnisse – auch wenn objektiv die Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel der Gesundheitszustand, schlechter werden. Ein Trick, den man sich in jüngeren Jahren eigentlich auch mal abschauen könnte.

Einen Kommentar schreiben