Was existiert, verführt? Studienplatz dank Facebook?
Eine weitere, nicht uninteressante Dimension könnte Facebook erlangen, wenn das Schule macht, was gerade ein Psychologieprofessor an der ehrwürdigen Cambridge Universität in der aktuellen Ausgabe des College-Magazins gestanden hat.
Dort erklärt Dr. Richard Barnes, dass er nicht nur bei Facebook registriert ist, sondern dass er dort auch regelmäßig hinein schaut. Denn neben seiner Lehr- und Forschertätigkeit ist Barnes auch für die Sichtung von Bewerbungen zum Studium der Naturwissenschaften an der Eliteuniversität verantwortlich.
In dem Interview gestand er, dass er bei Facebook ganz diskret Erkundigungen über Bewerber, deren Anträge um Zulassung zum Studium ihm vorlagen, einholt. Schließlich liege, so Barnes, doch viel mehr auf dem Markt (auch wenn nicht jeder seinen Namen auf diese virtuelle Pinnwand setzt), als aus jeder Bewerbungsmappe hervorgeht. Zudem sei es doch nicht verboten, dort Informationen einzuholen.
Verboten nicht, sagen seine Kollegen, aber “not done” - demnach beurteilen sie die Studien-Anträge nicht nach Facebook-Profilen, in denen sich die User in Szene setzen mit Fotos, Bekanntschaften und eventuell sexueller Orientierung - sondern nach komparablen Kriterien für alle: Schulabschluss, persönliches Statement, Vorstellung im Gespräch.
Nun ja, das klingt hübsch traditionell und traditionell fair. Aber gehört es nicht auch zur Wissenskultur, nicht die Augen zu verschließen vor dem, was ist? Schließlich ist im Facebook jeder sein eigener Advokat; man muss ihm ja nicht glauben, aber hinschauen dürfen sollte man schon.
