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Warum lesen wir eigentlich Tagebücher?

Man mag ja gar nicht mehr meinen, dass es noch andere Formen von Tagebüchern gibt, als die im Internet. Umso interessanter sind die Rückschlüsse, die Louis Menand in einem sehr ausführlichen Essay in der aktuellen Ausgabe des New Yorker zieht. Anlässlich der sehr unterschiedlich geratenen Tagebücher des Pulitzer-Preisträgers Arthur M. Schlesinger (”Journals: 1952-2000″) und des Journalisten Leo Lerman (”The Grand Surprise”) geht Menand der Frage nach, warum wir Tagebücher lesen - und warum sie überhaupt geschrieben werden. Er bietet drei Spontantheorien dafür an: Ego-Theorie, Es-Theorie und Über-Ich-Theorie.

071210_r16890_p233.jpg“Die Ego-Theorie besagt, dass das Führen eines Tagebuchs einen Grad an Eitelkeit und Eigenbedeutung erfordert, der die meisten Leuten schlicht überfordert, um sie längere Zeit bei der Stange zu halten. Man ist gezwungen zu glauben, das Zeug, das einem passiert ist, sei des Aufschreibens wert, weil es einem selbst passiert ist.

Deshalb werden so viele Tagebücher schon um den 10. Januar herum wieder aufgegeben: sie fortzuführen, wird einem schnell klar, bedeutet etwas Schlimmeres, als für andere unerträglich zu sein - es bedeutet, sich selbst unerträglich zu sein. Die Leute merken, dass sie sich nicht ernst genug nehmen können, um weiterzumachen. Sie mögen das bedauern, aber sie akzeptieren es und wenden sich anderen Dingen wie dem Briefmarkensammeln zu.”

Die Ergebnisse dieses Essays lassen natürlich auch einige Rückschlüsse auf die Inhaber der unzähligen Internet-Tagebüchern zu. Die Frage, welche der drei Theorien nun aber die Motivation eines jeden einzelnen Bloggers ist, kann nur jeder Blogger selbst beantworten…

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