Der Nutzen von Social Networks
Auf der Medien- und Informatikseite der heutigen Ausgabe der NZZ bin ich auf ein interessantes Thema gestoßen, dass ich schon seit einiger Zeit sehr interessiert verfolge: das Thema Social Networks.
Die Pflege von Netzwerken gehört in meinem Job seit jeher zum Alltag, allerdings muss ich gestehen, dass diese Pflege durch das Aufkommen des Web 2.0 eine ganz neue Qualität und vorallem eine ganz neue Dimension bekommen hat.
Und seit Facebook durch die Beteiligung von Microsoft vor knapp vier Wochen nun mit sagenhaften 15 Milliarden Dollar bewertet wird, scheint jetzt endgültig alle Welt über Soziale Netzwerke im Internet nachzudenken.
Eine Erklärung für den Nutzen und den Wert von Business-Netzwerken wie LinkedIn und Xing liefert Marco Metzler in der heutigen Ausgabe der NZZ:
“Die Plattformen ersetzen quasi den Austausch der Visitenkarten. Sie bieten aber mehr: Börsen für Dienstleistungen, Marktplätze, Foren und Stellenangebote. Untersuchungen haben gezeigt, dass es bei der Jobsuche weniger die direkten Kontakte sind, über die man von den entscheidenden Angeboten erfährt, sondern eher die Kontakte zweiten Grades. Hatte man früher kaum eine Übersicht über die Kontakte seiner Kontakte, liegen diese heute lediglich einen Mausklick entfernt.”
Und genau diese automatische Verlinkung mit den Kontakten der eigenen Kontakte ist es, was diese neuen Plattformen so wertvoll macht. Plötzlich scheint jedem einzuleuchten, dass Stanley Milgram mit seinem “Kleine-Welt-Phänomen” aus dem Jahre 1967 eventuell doch Recht haben kann. Die neuen sozialen Netzwerke scheinen seine Hypothese, wonach jeder Mensch auf der Welt mit jedem anderen über eine überraschend kurze Kette von Bekanntschaftsbeziehungen (”Six Degrees of Separation”) verbunden ist, zu bestätigen.
Wusste man früher also nicht unbedingt, wer die Kontakte der Kontakte genau sind und was diese beruflich machen, so sind es heutzutage häufig gerade die Kontakte zweiten Grades, die ganz besonders wichtig sind, wie der Investor und Manager Nicolas Berg in einem kurzen Interview erklärt:
“Ein berühmter Genfer Investor schreibt auf seiner Homepage, man solle ihm bitte keine Geschäftspläne schicken. Wer von ihm Geld wolle, müsse imstande sein, jemanden zu überzeugen, der bereits das Vertrauen des Investors genieße. Dieser werde dann den Geschäftsplan weiterreichen. So nutzt dieser Investor, der von Anfragen überhäuft wird, Vertrauenspersonen für die Vorselektion.”
Eine Vorgehensweise, die mich ein bisschen an die Zeit erinnert, als der Golfsport in Deutschland populär wurde. So brauchte ich damals beispielsweise noch zwei Bürgen, um in meinem Golfclub in Bonn-Bad Godesberg aufgenommen zu werden - alles scheint sich im Internetzeitalter also auch nicht zu ändern.
Ich werde auf jeden Fall gespannt weiterverfolgen, welche Entwicklung die Social Networks nehmen werden und ob sie, wie Marco Metzler in einem zweiten Artikel überlegt, vielleicht sogar die zwischenmenschlichen Beziehungen dauerhaft verändert werden.
P .S.: Im übrigen sind wir als FDP mit unserer liberalen Kommunikationsplattform my.FDP vor über zwei Jahren die erste Partei gewesen, die ein solches Social Network auch im politischen Bereich eingeführt hat - reinschauen lohnt sich!
