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In der Kommunikationsfalle

Wie groß die Kommunikationsfalle ist, in der wir sitzen, wird deutlich, wenn wir uns eine Zahl vor Augen führen: Einer amerikanischen Studie zufolge werden weltweit pro Tag 171 Milliarden (!!!) eMails verschickt.

Auswege aus dieser Kommunikationsfalle zeigt die St. Gallener Kommunikationsprofessorin Miriam Meckel in ihrem kürzlich erschienen und sehr kurzweiligen Buch “Das Glück der Unerreichbarkeit” auf. Ganz besonders interessant sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die sie zusammenträgt:

Weltweit würden inzwischen täglich 171 Milliarden E-Mails verschickt. Über 70 Prozent davon seien Spam-Mails, also unerwünschte Werbebotschaften. Sozial- und Wahrnehmungspsychologen zufolge könnten wir aber ohnehin nur zwei Prozent der auf uns einprallenden Informationen «wirklich wahrnehmen und verarbeiten» – der Rest sei Informationsmüll.

Britische Forscher hätten jüngst hochgerechnet, dass Manager insgesamt dreieinhalb Jahre ihrer Lebenszeit mit irrelevanten E-Mails verschwenden. Wenn mancher von uns zwischen 250 und 350 E-Mails am Tag zu empfangen oder zu senden habe, dann lasse sich leicht ermessen, wie viel Stress ein Tag offline zur Folge habe: «Am nächsten Tag sind dann eben zwischen 500 und 700 Mails zu lesen, zu löschen und zu beantworten.»

Vor allem warnt Meckel, unsere Talente beim «Multitasking» nicht zu überschätzen. Man könne nicht «nebenbei» kommunizieren, es sei denn, es handle sich um sinnloses Geplänkel. Dass wir glaubten, wir seien Weltmeister und könnten vieles gleichzeitig anpacken, bedeute nicht, dass dies auch stimme.

Sie führt eine Studie an, die am King’s College in England durchgeführt wurde: In einem grossangelegten Experiment, an dem insgesamt tausend Menschen beteiligt waren, sei getestet worden, inwieweit wir zeitgleich bestimmte Aufgaben lösen und E-Mails empfangen können. Eine Kontrollgruppe habe statt E-Mails Marihuana bekommen. Das überraschende Ergebnis: Die Kiffer erzielten deutlich bessere Ergebnisse als die E-Mailer.

Der Titel des Buches signalisiert ja schon, dass die Rettung vor der Informationsflut in einem “existenziellen Funkloch” liegen muss. Mit anderen Worten: Der wahre Luxus unserer Zeit liegt darin, sich auf kluge Weise technisch unerreichbar zu machen, um für jemanden wirklich da sein zu können.

“Das Glück der Unerreichbarkeit” ist witzig, intelligent und elegant geschrieben - ideal für eine Fahrt im ICE von Berlin nach Hamburg und zurück. Und die meisten Leser werden dankbar vermerken, dass sie sich das alles auch schon selbst gedacht haben.

Bekanntlich hält sich seit Monaten ein Buch des Komikers Hape Kerkeling an der Spitze der Bestseller-Listen. Es hat den schönen Titel: Ich bin dann mal weg. Man muss den Mut und die pfiffige Ironie von Miriam Meckel bewundern, damit in Idealkonkurrenz zu treten. Denn der letzte Satz ihres Buches lautet: “Ich bin dann mal da”.

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