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Ein Leben ohne Logo

In der Wochenendausgabe der Financial Times Deutschland bin ich auf einen interessanten Artikel über den englischen Lifestyle-Journalist Neil Boorman gestossen, der seit knapp über einem Jahr nun schon ohne Marken lebt. In seinem Buch und in seinem Blog beschreibt er, wie es ihm seit dem großen “bonfire” im letzten Jahr ergangen ist.

97ohnelogo.jpg “Ich gehöre zu einer Generation, der seit dem Tag ihrer Geburt etwas verkauft wurde”, schreibt der 32 Jahre alte Neil Boorman in seinem Buch “Good bye, Logo - Wie ich lernte, ohne Marken zu leben“, das gestern erschienen ist. “Und was Sie heute sehen, ist das Resultat - ein Mensch, der von Marken abhängig ist. Jede der 3000 Werbebotschaften, mit denen ich Tag für Tag konfrontiert wurde, versprach mir, dass mein Leben reicher sein würde, wenn ich mein Geld für bestimmte Produkte ausgebe. O2 - Can do; Nike - Just do it; L’Oréal - Weil Sie es sich wert sind. Ich habe diese Dinge gekauft und geglaubt, dass sie mich erfolgreich, liebenswert und sexy machen würden. Wie Sie sehen, hat es nicht funktioniert.”

Ein Buch ganz nach den Vorstellungen der Altmeister der Konsumkritik, die im Himmel tadelnd den Zeigefinger zu heben scheinen. Dennoch hält selbst der österreichischer Kulturtheoretiker mit marxistischen Wurzeln, Robert Misik, die “pausbäckige Konsumkritik von früher” für überholt.

Manipuliert uns die Werbung? Rennen wir falschen Bedürfnissen hinterher? Verlieren wir darüber uns selbst? Die Leute seien ja nicht blöd, sagt Misik: “Menschen haben eine Vorstellung von ihrem Ich, und Marken und Güter können helfen, das zu modellieren.” Erich Fromm fragte vor drei Jahrzehnten: Haben oder Sein? Das 21. Jahrhundert antwortet: Ich shoppe, also bin ich.

“Diese Situation ist neu für mich”, schreibt Neil Boorman nach seinem “bonfire”. “Gekleidet in schrecklich schlichte Klamotten muss ich mich auf so altmodische Dinge wie Charme verlassen. Ich gehe an einem Nokia-Plakat vorbei, und der Slogan darauf fragt: ,Welche Seite von sich wollen Sie heute zeigen?’ Von mir gibt es ab jetzt nur noch eine Seite.”

Dabei gesteht er auch, dass er natürlich gern “von Kopf bis Fuß in Ralph Lauren gekleidet am Steuer eines Saab-Cabrios umherfahren, eine Flasche Coca-Cola lässig in der Hand, und dazu eine Marlboro Light rauchen” würde. Aber der Wunsch ist weniger stark als vorher.”


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